Der informative Blog, Teil 14: Verbände in Deutschland – Unterschiede und Hintergründe

Quelle: https://pixabay.com

 

Wer, wie, was, wann, wo, warum???
Immer wieder stehen junge Frauen und Männer vor der Frage: Welchen Verband soll ich wähle? Und welche Unterschiede gibt es dabei? 

Ähnlich wie beim Boxen gibt es für Bodybuilding-Begeisterte quasi die Qual der Wahl. 

Allein in Deutschland sind aktuell diverse Verbände aktiv, aber wenn man den Blick noch weiter öffnet ins Ausland gibt es noch mehr Alternativen. 

 

Als Einstieg möchte ich zunächst kurz auf die Ursprünge des Wettkampf-Bodybuildings eingehen: 

Die Geschichte des Bodybuilding 

Grabmalereien, die man in Ägypten entdeckte, deuten darauf hin, dass Bodybuilding schon vor Jahrtausenden betrieben wurde. Auf den Malereien sollen ägyptische Frauen und Männer bei einer Art Krafttraining zu sehen sein, welches auf Grund der verwendeten Hilfsmittel durchaus mit dem heutigen Bodybuilding zu vergleichen ist. In Europa verfügten die Völker des heutigen Griechenlands schon vor ungefähr 4000 Jahren über ein eindrucksvolles Wissen rund um die Beschaffenheit des menschlichen Körpers und seinen Muskeln. In speziell errichteten Trainingsanlagen, den so genannten Gymnasien, betrieben die griechischen Athleten Kraftsport und Bodybuilding, um sich auf bevorstehende Wettkämpfe vorzubereiten. Für ihr Training verwendeten sie, genau wie die Bodybuilder heute, verschiedenste Gewichte und Hanteln.

Wohl der Grundstein des modernen Bodybuilding-Wettkampfes: 

Der 1867 geborene Friedrich Wilhelm Müller, alias Eugen Sandow, übernahm die Vorreiterrolle des Kraftsports, insbesondere des Bodybuildings.
Müller trat in ganz Europa in Bühnenshows auf, wo er Eisenstangen verbog und ein Elefantenbaby und ein Pferd stemmte. Diesen Aufführungen verdankte der Kraftsport seine schnell zunehmende Popularität. Am 14. September 1901 veranstaltete Sandow in London unter dem Titel „The Great Competition“ den ersten großen Bodybuilding-Wettbewerb.
Eugen Sandow mimte vor Fotografen die Posen antiker Statuen. Mehrere Posen Sandows blieben erhalten und werden bis heute an Bodybuilding Wettkämpfen gezeigt. (Quelle)

 

…auch damals in Ägypten waren schon Frauen dabei – jawohl!

Wir erleben gerade wieder einen enormen Fitness-Boom. 
Sowohl, was den Breitensport angeht, als auch bezüglich des Wettkampfsportes. Immer neue Klassen sorgen dafür, dass auch immer mehr Starter die Bühne betreten. 

Wie viele von Euch vielleicht wissen, bin ich ein „IFBB“-Mädchen, d.h. ich bewege mich seit Jahren in dem Umfeld des DBFV, bin selber dort gestartet, habe Athleten betreut und vorbereitet, von Wettkämpfen berichtet und werde in dieser Woche meine erste Meisterschaft als Kampfrichterin bewerten. 

Das bedingt, dass ich mich wohl ziemlich gut mit dem DBFV (IFBB) auskenne, aber ich blende die anderen Verbände nicht aus. 
Beim NAC Germany war ich mehrfach als Zuschauer und Betreuer, kenne auch Starter privat. 
Was die übrigen Verbände angeht verfüge ich leider nicht über persönliche Erfahrungen, ich habe mich aber bemüht für Euch einige Infos zusammenzutragen. 

 

Die verschiedenen Verbände

Es gibt in Deutschland derzeit Meisterschaften folgender Verbände: 


DBFV
Deutscher Bodybuilding- und Fitness-Verband e.V. (IFBB)

 

 

NACG National Athletic Committee Germany (NAC International)

 

NBBUI Germany (ehem. Teil der WABBA, mittlerweile selbständig)

 

 

DFFV / WFF Germany (ausgegründet aus der NABBA – gehört zur WFF World Fitness Federation und NABBA International) 

 

GNBF German Natural Bodybuilding & Fitness Federation e.V.

(noch) nicht in Deutschland aktiv: 
WBFF World Beauty Fitness and Fashion Inc.

 

Einige der Verbandshistorien sind etwas tricky, viele Verbände sind als „Splittergruppen“ durch Ausgründung von ehemaligen Mitgliedern entstanden, immer mit dem Ziel, die Dinge anders zu machen.  

Entstehungsgeschichte (ein kleiner Exkurs)

(Quelle)

Bis 1940 war die Bodybuildingszene unter der Kontrolle der AAU Amateur Athletic Union.
1946 gründeten die Brüder Ben und Joe Weider den Verband IFBB International Federation of Bodybuilders. Sie waren der Ansicht, dass der AAU nur an der Vermarktung des Gewichthebens interessiert waren und wollten das Bodybuilding voranbringen. 

1969 wurde der IFBB Mitglied des GAISF (heute Sportaccord) und gehört heute zu den größten Sportorganisationen der Welt (z.Z. 192 Mitgliedsstaaten). 

19 Jahre nach Gründung des Verbandes fand als Profi-Wettkampf der IFBB der erste Mr. Olympia statt. Larry Scott durfte sich am 19. September 1965, in der Brooklyn Academy of Music (New York City), in einer Halle ohne Stühle, vor einer kleinen eingeschworenen Fangemeinde, als erster in die Geschichtsbücher der IFBB eintragen lassen. (Quelle)

Der NABBA-Mr. Universe ist der bedeutendste und traditionsreichste Mr. Universum- Wettbewerb im Bodybuilding. Er wird seit 1950 von der NABBA National Amateur Bodybuilders Association ausgetragen und galt jahrelang als inoffizielle Weltmeisterschaft. Zahlreiche Stars früherer Tage wie John Grimek, Steve Reeves, Reg Park oder Arnold Schwarzenegger begründeten ihre internationale Karriere mit dem Gewinn des damals angesehensten Titel im Bodybuilding. Ab Ende der 1960er Jahre verlor der NABBA-Mr. Universe mit Erstarken des Konkurrenzverbandes IFBB und der damit verbundenen Etablierung neuer Wettbewerbe wie dem I.F.F.B.-Mr. Olympia und dem I.F.F.B.-Mr. Universum stetig an Prestige.
Seit 1984 führt die NABBA neben dem Mr. Universe verbandseigene reguläre Weltmeisterschaften durch.
In Deutschland gibt es derzeit keinen NABBA-Bundesverband, aber im Nachbarland: NABBA Austria .  (Quelle)

Der Deutsche Bodybuilding- und Fitnessverband e.V. wurde 1966 gegründet (DKV), 1979 neu konstituiert (DBKV) und ist mit Abstand die größte und traditionsreichste Bodybuilding-Organisation in Deutschland. Zu den Gründungsmitgliedern der 1966 als Deutscher Kraftsport-Verband entstandenen Organisation, zählen unter anderem Albert Busek und Arnold Schwarzenegger.
Der DBFV e.V. und seine angeschlossenen 15 Landesverbände organisieren seit Gründung regionale, nationale und internationale Meisterschaften. Termine findet ihr hier.
Der DBFV e.V. ist als einziger nationaler Verband seit 1977 dem Welt-Dachverband IFBB (International Federation of Bodybuilding and Fitness) und seit 2002 dem Europäischen Verband EBFF (European Bodybuilding and Fitness Federation) als Mitglied angeschlossen. (Quelle)

Speziell für den Fitnessbereich gründete die NABBA International im Jahre 1990 die WFF World Fitness Federation, hier Deutsche Fitness und Fitnessmodelverband e.V. (DFFV). (Quelle) Derzeit gibt es die Deutsche Meisterschaft, 2017 in Kulmsbach/Bayern, sowie eine German Open in Bayern.

Der NACG wurde 1999 in Köln mit dem Ziel gegründet, einen athletenfreundlichen und von demokratischen Strukturen geprägten deutschen Dachverband für Fitness, Athletik und Bodybuilding in Konkurrenz zum bereits seit 1966 bestehenden DBFV zu etablieren. Er besteht aus vier Landesverbänden (Nord, Ost, Süd, West) und veranstaltet neben vier regionalen Meisterschaften auch Deutsche Meisterschaften. (Quelle)

Die German Natural Bodybuilding & Fitness Federation e. V. (kurz GNBF) wurde am 1. März 2003 in Hamburg gegründet und fördert das dopingfreie Bodybuilding. Derzeit finden Deutsche Meisterschaften statt, 2017 in Bayern und NRW.  (Quelle)

Die WBFF World Beauty Fitness and Fashion Inc. wurde 2007 vom ehem. IFBB-Profi-Bodybuilder Paul Dillett gegründet. Auch dieser Verband zielt eher auf die Fitnesssparte, auch im Hinblick auf Modelljobs, ab. Der Verband ist weltweit aktiv, die Worlds finden derzeit in London statt. (Quelle)

Seit Anfang 2017 gibt es in Deutschland die NBBUI (eine Ausgründung aus der WABBA Germany). Die näheren Details zur Gründung findet ihr hier: Quelle 
Die Deutschen Meisterschaften finden 2017 in Erfurt und Pfungstadt statt. 

Nun wisst ihr ungefähr, wie die Verbände entstanden, wo die Ursprünge sind und habt auch eine Vorstellung davon, wie die regionale Verteilung bzw. Schwerpunkte innerhalb Deutschlands die jeweiligen Verbände haben. 

 

Und nun?

Eins haben alle Verbände gemeinsam: Sie alle geben an, dass sie zum Wohle der Athleten gegründet wurden, demokratisch und athletenfreundlich agieren. 

 

ge·me̱i̱n·nüt·zig

Adjektiv

  1. so, dass es nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, sondern dem allgemeinen Wohl dient.

    „ein gemeinnütziger Verein“

 

Auszug Satzung DBFV:

§ 1 Name und Sitz
Der Verband führt den Namen Deutscher Bodybuilding- und Kraftsportverband.
Er ist nicht auf Gewinn ausgerichtet und auf demokratischer Grundlage aufgebaut. 

 
§ 2 Zweck
Der Verband hat zur Aufgabe, nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit und unter Ausschluß von parteipolitischen, konfessionellen, beruflichen, rassischen und militärischen Gesichtspunkten den Sport zu fördern. Dieser Zweck wird wie folgt erreicht :

  1. Die Förderung von Bodybuilding und Kraftsport.
  2. Die Förderung sportlicher Tätigkeit mit Widerstand (Gewichten)- Geräten und Gymnastik     im Ausmaß medizinischer Empfehlung – im Sinne des Fitness-Sportgedankens.
  3. Die Förderung sportlicher Tätigkeiten mit Gewichten und Geräten zur Entwicklung von Kraft für verschiedene Sportdisziplinen und Kraftleistungswettkämpfe.
  4. Die Forschung und Entwicklung der in Punkt 1-3 bezeichneten Disziplinen.
  5. Die Ausrichtung von Veranstaltungen und Wettkampfmeisterschaften mit lokaler,           regionaler, nationaler und internationaler Beschickung.
  6. Werbung und Aufklärung im Sinne sportlicher Öffentlichkeitsarbeit für die betreuten     Disziplinen.

    Der Verband verfolgt diese Ziele ausschließlich und unmittelbar durch eigenes Wirken auf gemeinnütziger Grundlage im Sinne des Abschnittes „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung 1977 (§§ 51 ff. AO).

    Seine Tätigkeit ist selbstlos, er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Mittel des Verbandes dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Verbandes. Es darf darüber hinaus keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck der Körperschaft fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.
    Die Führung eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes schließt die Steuervergünstigung nicht aus. Erwirtschaftete Gewinne sind aber ausschließlich für satzungsmäßige Zwecke zu verwenden. Die Inhaber von Verbandsämtern (Vorstandsmitglieder) üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus.
    Übersteigen die anfallenden Arbeiten das zumutbare Maß einer ehrenamtlichen Tätigkeit, so kann ein hauptamtlicher Geschäftsführer und das hierfür erforderliche Hilfspersonal eingestellt werden. Für diese Geschäfte dürfen aber keine unverhältnismäßig hohen Vergütungen gewährt werden.

§ 11 Aufbringung und Verwendung der Geldmittel
Die Geldmittel werden aufgebracht durch Beitrittsgebühren, Mitgliedsbeiträge, Erträge aus Veranstaltungen, Spenden und Zuwendungen etc. Die Mittel des Vereines dürfen nur dem Sport dienenden Zwecken zugeführt werden. Sie werden unter anderem für die Aufrechterhaltung des Verbandsbetriebes und für die Ausrichtung von Wettkampfveranstaltungen verwendet. Entsprechend des Umfanges der zu bewältigenden Aufgaben kann vom Vorstand für außerordentliche Leistungen, die der ehrenamtlichen Tätigkeit nicht mehr zugemutet werden können, durch einstimmigen Beschluß eine angemessene
….

 

Quelle

 

Gemeinnützigkeit vereint die vorgestellten Verbände. 

Aber: Jeder muss für sich selber entscheiden, wo er starten möchte. 

Der IFBB bietet die sicher bekannteste Profi-Liga an – der Mr. Olympia ist wohl der größte und bedeutenste Profi-Wettkampf mit diversen Klassen und immensen Preisgeldern.

Auch andere Verbände etablieren nach und nach eigene Profi-Ligen, aber es lässt sich wohl sicher sagen, dass der IFBB durch die Größe und Reichweite die beste Möglichkeit bietet, sich auf Weltniveau zu messen – wenn man das denn dann will. 

Das allein reicht nicht aus, um die Entscheidung zu treffen: Wo starte ich?
Es muss auch die passende Klasse für einen geben. 

 

Die Klasseneinteilungen

Ich werde mich hierbei auf die Klassen für Frauen beschränken, wir sind ja immer noch bei der Eisennixe. 😉

Zunächst die grobe Übersicht für alle Klassen und alle Verbände:

 

Jetzt etwas mehr ins Detail: 

Die Bikini-Klassen

DBFV Bikini-Fitness

DBFV Bikini Wellness (neu in 2017, hier ein internationaler Look bzw. ein erstes Bild der regionalen Meisterschaften)

 

NACG Bikini Shape

 

WBFF Diva Fitness Modell (sicher allen bekannt: Andreia Brazier)

WBFF Diva Bikini Modell

WBFF Commercial Modell

 

NBBUI Miss Beauty (es war schwer, hier Bilder zu finden!)

NBBUI Miss Bikini

 

DFFV Sportmodell

DFFV Bikini

GNBF Bikini

 

Die Figur-Klassen

DBFV Fitness Figur

DBFV Fitness-Leistung

NAC Figur (Quelle Pflichtposen)

 

NBBUI Miss Shape

NBBUI Miss Figur

 

 

DFFV Figur

DFFV Aerobic Fitness

GNBF Figur

muss ich nachreichen

WBFF Diva Figure Model

 

Die Bodybuilding-Klassen

DBFV Physique

 

NACG Bodybuilding

NBBUI Miss Physique

 

GNBF Athletik

© Sportagentur Werner / www.picture4u.de

GNBF Bodybuilding

 

 

Wer interessiert genug war, bis hierhin zu lesen: Danke. 

 

Dieser Blog war einige Arbeit und ich hoffe, das alles hilft ein wenig bei dem ersten Einblick.

Die genauen Regelwerke findet ihr auf den jeweiligen Homepages und es gibt zahlreiche Videos und Fotos online von den Klassen. Viele Verbände bieten auch Seminare an zum reinschnuppern. Am Besten macht ihr euch selber ein Bild, vor Ort, fahrt zu Meisterschaften und dann ab dafür! 

  

Eure Nixe Sabrina

Der informative Blog, Teil 8: Warum hat mir das keiner gesagt? (von Sabrina)

 

Vorbemerkung:

Dieser Blog lag einige Zeit unfertig in der Schublade.
Dann kam die Saison und mit ihr einige andere Coaches, die dieses Thema mit aufgegriffen haben. Dann fühlt man sich blöd als Blogger, als würde man „Themen abgucken“. Auch ich erfinde das Rad nicht neu, will ihn euch aber nicht vorenthalten – zumal mein letzter Blog fast 2 Monate her ist und ich mich schrecklich untätig fühle sonst… haha

 

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An Wettkämpfen des DBFV teilzunehmen war eine ganz besondere Erfahrung, jede Saison war speziell und anders.
Ich sage meinen Mädels immer, dass es vergleichbar ist mit „frisch verliebt“. Wenn Du da backstage in der Reihe stehst, mit den anderen Mädels, dann beginnt das Kribbeln im Bauch. Und die Schmetterlinge fliegen wie wild, wenn es dann raus geht auf die Bühne.

Die Herbstsaison ist seit fast 4 Wochen vorbei und die meisten Athletinnen und Athleten liegen, wie auch die „Normalos“, im Foodcoma zwischen Keksdosen und Dominosteinen.

Trotzdem braucht ihr nur einen nach dem Bühnengefühl zu fragen und sie kriegen dieses Strahlen in den Augen. Für einige ist es wie eine Sucht.

Diesen Blog verstehe ich als kurzen Nachtrag zu meinem ausführlichen, 2teiligen Blog .
Ich möchte mit ihm nur einige, kurze Stichpunkte aufgreifen, die ich immer wieder höre und die mich zumeist zum Schmunzeln bringen (Merke: Ich habe mittlerweile die nötige Distanz zur Bühne).

Allem voran lese ich immer wieder:

„Warum hat mir das keiner gesagt?“

(Randnotiz: Mittlerweile gibt es ja genug Leute, die über diese Themen offen sprechen. Ich will hier die Fahne weiter oben halten und es nachfolgend tun.)

 

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Warum hat mir keiner gesagt, dass ich nach meiner Show in ein Loch falle?

Über meine ganz eigenen Erfahrungen habe ich in meinem Blog „Das schwarze Loch, Teil 1 und Teil 2“ ausführlich geschrieben.
Noch nie zuvor habe ich so viel Feedback zu einem Blog erhalten.

Und ich habe mich auch in der Folgezeit sehr viel mit dem Thema auseinandergesetzt und bin auf einen interessanten Vergleich gestoßen:

Hochzeitsblues oder „Post-Braut-Depression“

Das ist wieder mal klassisch ein Thema, in das sich eher Frauen reinversetzen können. Da plant man gefühlt sein Leben lang auf Tag X hin, mindestens jedoch ein Jahr.
Man organisiert alles akribisch und plant jedes Detail, verbringt täglich Stunden mit dem Thema, der Tag kommt – ist wunderschön, aber auch binnen Sekunden vorbei.
Und danach?
…schon klar, Flitterwochen blabla – aber dennoch: Danach kommt das Loch.

Kommt Euch bekannt vor? Richtig. So geht’s einem auch nach dem Wettkampf.
Das Loch kommt. UNWEIGERLICH.
Egal wie gut ihr euch drauf vorbereitet – nachdem man Monate auf ein Ziel hingearbeitet hat ist es weg. Man hat auf einmal Massen an Freizeit.

Lest meinen ausführlich Blog dazu und denkt immer daran: Ihr seid nicht allein mit dem Thema. Und es ist nicht von Dauer.

 

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Warum hat mir keiner gesagt, dass ich komplett nackt vor wildfremden Menschen stehen würde?

Wenn Du schüchtern bist und eventuell Probleme damit hast, vor anderen nackt zu sein, dann Gute Nacht.

Wer nicht gerade einen talentierten Maler zum Partner hat oder die Mutti bittet, der lässt sich entweder vom Coach oder vom professionellen Service anmalen.
Und nichts gegen Mutti, aber selbst mit ihr ist es ein „komisches Gefühl“ nackt, breitbeinig, nach vorne gebückt sich von ihr die Popofalte und mehr anrollern zu lassen.
Gleiches gilt für die meist männlichen Coaches, unangenehme Stimmung ist vorprogrammiert.
Wie sagte ich bei der gleichen Situation unlängst zu Kathrin Hollmann? „Soll ich ein Foto für Instagram machen?“
Jupp, so fühlt sich das an.

Noch „schlimmer“ ist es, wenn man ein professionelles Tanning bucht.
Im Zweifel steht da eine Reihe nackter Menschen an, da Zeit-Geld ist und man sich beeilen muss mit dem Ablauf.
Die Tanner sind aber Profis und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Ich sehe keine Nackten, sondern nur die Farbe und die Oberfläche bzw. das Ergebnis.

Also – Kopf aus, Augen zu und durch.

 

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Warum hat mir keiner gesagt, dass ich hinterher einen Knall mit Essen habe werde?

Wenn Dein Wettkampf vorbei ist, bist Du Essensprofi.
Ich für meinen Teil konnte hinterher auf einen Blick das Gewicht eines Stücks Fleisch abwägen – 180gr. Huhn. *lach*
Das bleibt euch erhalten. Ihr werdet hinterher nie wieder wissen, was es heißt „normal zu essen“.
Definiere normal.
Ist „normal“ das, was die breite Masse tut?
Ist es „normal“, zum Frühstück Marmeladenbrötchen zu essen, weil das „alle tun“?
Oder ist es nicht normal, weil die Makros nicht stimmen?

Ihr werdet hinterher im Coffeeshop stehen und andere be- oder verurteilen, weil sie sich ihren „Latte Macciato Vollfett, Sahne, mit Caramell-Sirup“ kaufen, obwohl die Jeans schon jetzt eng sitzt und selber einen einfachen schwarzen Kaffee to go bestellen, weil das ja die wenigsten Kalorien hat.
Und insgeheim werdet ihr an der Kuchentheke schmachten und euch wünschen, ihr könntet drei von den Muffins mitnehmen, aber ihr WISST ja, was das für Kalorien sind und wer soll das wo wieder einsparen, nein, nein, nein, das geht nicht.

Selbstgespräche dieser Art werden an der Tagesordnung sein.

Ihr werdet andere verurteilen für ihr Essverhalten, noch strenger als in der Diät. Und ihr werden von Essen träumen, eklige Träume voller Zucker und Sahne und Schokolade.
Und wenn ihr der Versuchung nachgebt, werdet ihr große Probleme haben, euch zu maßregeln mit den Portionen. Was früher kein Problem war, wird nun zur Herausforderung: Nur einen Keks aus der Packung zu essen.

Auch das ist nur temporär.

 

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Warum hat mir keiner gesagt, dass meine Brüste verschwinden werden?

Das ist ein klassischer Fall von „ISSO“.

Wenn Du nicht gerade die RIESENAUSNAHME bist auf diesem Planeten werden Deine Brüste schrumpfen bzw. verschwinden. Ein bisschen Haut bleibt. Hallo Pubertät, den Mist haben wir alle schon einmal durch – aber es war beim ersten Mal nicht sooo spaßig, also machen wir es noch mal – NEIN DANKE.
Leider ist es aber so. Überflüssiges Körperfett, blabla. Wer kennt es nicht.
Ich hätte gern, dass das Fett von meinem Po in die Brust wandern, das wäre doch ideal. Geht leider nicht.

Deshalb sind auch Silikonbrüste immer häufiger zu sehen auf der Bühne (keine Sorge, sie sind nicht Pflicht! Auch wenn das einige behaupten, das ist Blödsinn. Ein gut geschnittener Bikini kann auch die Reste gut pushen).

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Brüste kommen wieder, wenn ihr nach dem Wettkampf wieder zunehmt.

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Warum hat mir keiner gesagt, dass meine Bauchmuskeln wieder verschwinden?

Man ackert sich wochenlang den Popo wund für den Bühnenlook und dann kommt man da runter, trinkt einen Liter Wasser und zack sind die Bauchmuskeln weg.
WARUM????

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Leider gilt auch hier wieder: ISSO.

Es gibt einige Ausnahmen, die auch in der Offseason ein Sixpack haben, aber die meisten von uns müssen sich dieses erkämpfen mit einem niedrigen Körperfettwert.
Und bitte glaubt mir: Ihr dachtet es sei hart, rund 12-16 Wochen für einen Wettkampf zu Diäten?
Versucht mal danach „on track“ zu bleiben bzw. einen Plan zum Reverse Dieting zu befolgen. Das ist viel schwerer als auf einen Tag X hinzuarbeiten.

Also – ja. Die sichtbaren Bauchmuskeln werden wohl wieder verschwinden. Recht rasch vermutlich. Aber sie sind und bleiben da und werden sich beim nächsten Wettkampf zeigen – bzw. dann, wenn ihr genug Disziplin dafür aufbringt.
Und denkt immer daran: Das ganze Jahr geshreddet zu sein ist nicht unbedingt gesund.

 

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Warum unterstützen mich die Leute nicht?

Ja, du arbeitest hart an deinen Zielen. Ja, du bist absolut fokussiert. Und ja, Du machst da etwas, was andere nicht mal in Erwägung ziehen würden zu versuchen.
Trotzdem unterstützen dich nicht alle Leute in deinem Umfeld. Warum?
Das liegt nicht daran, dass Du „Haters“ hast (wie ich dieses Wort hasse) oder weil diejenigen neidisch auf dich sind.

Ganz oft liegt es einfach daran, dass sie dein Ziel selber nicht erreichen wollen, deinen Weg nicht verstehen.
DU hast es dir ausgesucht müde und maulig und hungrig zu sein um dann halbnackt braun angemalt ölig glänzend auf der Bühne zu stehen im Strassfummel und High Heels.
Das ist definitiv kein Ziel für jedermann.
Also bereite dich nicht nur auf fehlende Unterstützung vor sondern ggf. auch auf ein paar „doofe Sprüche“.  Mach einfach dein Ding.
Und bitte glaub mir: Je weniger Bilder Du bei Facebook oder Instagram von deiner Vorbereitung postest, desto weniger Angriffsfläche gibst du denjenigen, die es nicht verstehen.
Knüpfe stattdessen Kontakte zu anderen gleichgesinnten Mädels, die starten. Ihr werden euch besser verstehen und gegenseitig unterstützen können, an guten und schlechten Tagen.

 

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Warum hat mir keiner gesagt, dass ich mich hinterher IMMER fett fühlen werde?

Das ist einer der gravierendsten und wohl auch der langanhaltendste Aspekte an einer Wettkampfvorbereitung.

„Es war einmal ein Mädchen, das sehr glücklich war eine Größe 38 zu tragen und dabei ganz normal aussah. Kein Sixpack, keine Streifen, nix. Sie trug im Sommer gerne kurze Kleider und auch im Bikini fühlte sich sie wohl, nie machte sie sich Gedanken ob jemand ihren Bauch anstarren oder ihre Beine kritisieren könnte.“

Wir spulen den Film vorwärts: 3 Monate nach der Wettkampfdiät. Du bist wieder an Deiner Ausgangssituation angekommen, Größe 38. Alle Klamotten passen Dir noch und es könnte alles gut sein.

Aber alles, was Du siehst, ist Fett.  Du siehst nichts als Fett an Deinem Körper, Du fühlst Dich fett, siehst täglich wie Deine Bauchmuskeln verschwinden und kannst nicht aufhören, in den wachsenden Speck zu greifen und zu jammern.
Derselbe Körper, den Du vorher hübsch fandest, ist jetzt abstoßend geworden.

Diese Denke ist leider sehr verbreitet.
Wir werden überflutet mit Bildern von der Bühne oder sehen uns täglich die Bilder aus der Vorbereitung an. Dieser Look ist nicht realistisch für jeden Tag. Aber doch wollen wir es nicht wahr haben.

Dein Körper ist vielleicht nicht wie an Tag X, aber doch ist er ein wunderbares Geschenk und wir sollten dankbar sein, dass er uns so gute Dienste leistet.
…ganz am Ende ist die kleine Schicht Speck nur so etwas wie „Muskelschutz“.

 

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Warum hat mir keiner gesagt, dass ich eine Essstörung entwickeln werde?

Ich habe es schon oft geschrieben.
Eine der ersten Fragen, die ich meinen Mädels beim Coaching gestellt habe, ist, ob sie eine Essstörung haben oder hatten.
Dieser Sport produziert leider (!) mehr Essstörungen als uns allen lieb ist.
Oben habe ich schon zu zahlreichen, hiermit verknüpften Punkten, ausgeführt.
Eine Essstörung lässt sich keinesfalls mit einer Vorbereitung „kurieren“. Ganz im Gegenteil. Häufig wechselt die Essstörung von einem Extrem ins andere (Bulemie, Magersucht hin zur Sport- und Kontrollsucht).
Bitte versucht sicherzustellen, dass ihr bevor ihr in eine Vorbereitung startet, ein einigermaßen gesundes Verhältnis zum Essen und zu eurem Körper habt.

Das Thema Essstörung trifft nicht jeden, ich will hier keine Panik schüren.
Aber die Möglichkeit ist da. Wenn ihr keinen Coach habt, dem ihr da vertraut, dann bitte sucht euch kompetente Hilfe, wenn ihr den Eindruck habt, dass da etwas sehr stark aus dem Ruder läuft. Ihr habt nur die eine Gesundheit.

 

 

 

Eure Nixe Sabrina

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Malen nach Zahlen…. (von Sabrina)

 

„Bevor man mit dem Malen beginnt, muss man Herz, Hand und Gedanken in der Pinselspitze haben.“ Chi Po Shi

  Wenn wir klein sind, wollen wir alles Mögliche werden. Ich erinnere mich an Berufswünsche wie „Meeresbiologin“, „Sängerin“, „Kfz-Mechanikerin“, „Dolmetscherin für Japanologie“, „Romanautorin“ – aber auch an Dinge, denen ich in meinem Leben näher gekommen bin als nur dem Wünschen: „Sportjournalismus“ und „Visagistin“. Wie viele Mädchen habe ich eine absolute Schwäche für Makeup und Haare. Ich habe schon früher Freundinnen Schminktips gegeben, dann mal einen Makeup-Kurs besucht und später angefangen, Aline und andere Starterinnen für Wettkämpfe oder Shootings zu stylen. Hier möchte ich Euch nun einen Mini-Blick hinter die Kulissen eines Wettkampfes gestatten, denn viele sehen nur das Endprodukt – ob auf der Bühne oder auf Bildern im Internet. Aber was da wirklich dahinter steckt, glitzernd und strahlend auf der Bühne zu stehen, das wissen nicht alle.   Also, der große Tag ist da. Was da vorher alles läuft, von wegen Ganzkörper-Rasieren (ihr glaubt gar nicht, wie viel  Haare/Flaum ihr überall am Körper habt bis ihr einmal seht, wie Farbe auf diesem Flaum aussieht *lach*) lasse ich jetzt mal aus. 😉
*EDIT 2017: Mittlerweile würde ich sagen, es reicht Beinen, Achseln und Bikinizone zu rasieren – oder zu waxen. 🙂
Farben wie TopTan verzeihen den Flaum und trocknen auch damit einfach weg.
Besser als sich ganze Fleischstücke aus dem Ellenbogen zu rasieren hahahhah

Gleiches gilt für Haare, möglicherweise Verlängerung oder Färben, Fingernägel, Fußnägel, Wachsen/Peeling – all das ist irgendwie selber erklärend – oder ein Fall für einen Extra-Blog.   Also: Üblicherweise fängt der Betreuer schon am Tag vorher an, Farbe aufzutragen. Das hängt natürlich auch vom Produkt ab. Und dann geht’s am Morgen ganz früh los. Es gibt eine Vorwahl und ein Finale, die Vorwahl startet meistens so gegen 10:00 Uhr, dann mit den Mädchen-Klassen: Bikini, Figur und Bodybuilding. Und damit man zeitgerecht hübscht auf der Bühne stehen kann heißt es: Früh aufstehen! Ich habe das schon in zwei Varianten gemacht: Vorher bei Aline in Kiel übernachtet, Meisterschaft war damals auch in Kiel, dadurch hatten wir einen entspannten Tag ohne viel Fahrerei (ähnlich einer Deutschen Meisterschaft, wo man ja schon tags zuvor im Hotel anreist und dort übernachtet, also alle „vor Ort“ sind). Aline hat bei Ihrer letzten DM-Teilnahme ein kleines Video gedreht, damit Ihr einen Eindruck bekommt.   https://www.facebook.com/video/embed?video_id=2223754565221   Genauso läuft es ab: Als Stylist/Betreuerin/Freundin steht man so gegen 5/6 Uhr auf und huscht schnell zur Freundin. Mit dabei ein Koffer voller Malsachen: Makeup, Lidschattenpalette, Pinsel, Glitzer, falsche Wimpern, Haarspray, Lockenwickler, Glätteisen – you name it. Auf der Bühne gilt „mehr ist mehr“ und deshalb lang ich persönlich gern mal tief in die Trickkiste.   So sieht das dann im Zimmer aus *lach*   IMG_6539   IMG_6538   Neben dem nochmaligen Farbauffrischen geht’s dann an den perfekten Look. Erst die Haare auf Wickler drehen, dann mit dem Makeup anfangen. Dabei darf man nicht vor starken Farben zurückschrecken.   Der Körper hat im Zweifel einen schönen Nutellabraun-Ton angenommen und da darf das Gesicht natürlich nicht mit dem normalen Tagesmakeup daher kommen. Nicht nur sieht es schrecklich aus, wenn man so einen weiß aufgeschraubten Kopf hat, sondern das Bühnenlicht schluckt auch gemein viel Farbe. Natürlich bieten einige Farbhersteller (z.B. JanTana) ein passendes Makeup zum Tanningprodukt an, welches ich selber getestet und für gut befunden hab. Es geht aber auch „einfacher“:   Manhatten Makeup im Farbton Bronze, darüber ein Bronzepuder und gut ist die Grundierung.   100_0807     Dazu kann ich nur raten, in eine günstige Lidschattenpalette (Ebay oder Amazon) zu investieren und dann ruhig zu kräftigen Farben zu greifen. Orientiert Euch an Euer Bikinifarbe oder wählt eine Kontrastfarbe – wichtig ist nur, dass Ihr Euch wohlfühlt. Dann noch ein paar falsche Wimpern, einen kräftigen Lippenstift (rot oder pink, alles geht) und ab geht die Post. Zum Schluss die Haare fertig. Ob nun lockig oder glatt, hochgesteckt oder offen, geflochten – testet aus, was Euch am besten gefällt. Ich persönlich bin großer Fan von offenen und lockigen Haaren – aber nach der Vorwahl bei der letzten DM waren meine Haare von der Farbe so strähnig, dass ich sie „notgedrungen“ halb hochgesteckt habe zum Finale – und die Frisur sah so viel besser aus als nur offen. 😉   33972_10150835086363583_1079172443_n     Dann noch Bikini anziehen, festkleben (ja, der wird festgeklebt, am Po!), wahlweise schon in die Schuhe schlüpfen oder in die Flipflops, etwas leichtes überwerfen und ab geht’s Richtung Aufwärmraum/Backstagebereich.   Das alles hört sich nach 5 Minuten an, in Wahrheit dauert es aber 1-2 Stunden und ist für mich – ambitionierte Laie meets Perfektionist – ein Hochleistungssport. 😉 Frühstück kann man meistens vergessen, Trinken hab ich mir auch abgewöhnt. *lach*   Backstage geht’s noch einmal weiter mit etwas Farbe auffrischen, Glanz auftragen, noch mal Makeup und Haare kontrollieren, Mut zusprechen und ab geht’s für die Mädels auf die Bühne.   Selbst wenn ihr nicht so eine durchgeknallte Freundin wie mich habt gibt es viele Möglichkeiten. Mittlerweile werden auf vielen Meisterschafte professionelle Stylings angeboten, die man im Vorwege buchen kann. Haare, Makeup und/oder Tanning – alles dabei. Sehr entspannte Lösung – kostet dafür ein paar Euro. Mich persönlich aber entspannt es immer sehr, wenn ich mich selber schminke. Das hat etwas meditatives für mich. Andere lieben es, wenn sie „betüddelt“ werden. Da muss jeder seinen Weg finden.   Hier das Mal-Ergebnis nach der Vorwahl:   Makeup3     Aline vor der Kieler Meisterschaft 2011:   Makeup2       Oder mein eigenes Makeup bei der letzten regionalen Meisterschaft:   Makeup1     Abschließend kann ich nur eine Freundin zitieren (weil ich diesen Spruch für mich selber auch entdeckt habe):   Wenn das Makeup nach „Fasching mit Olivia Jones“ oder „billiger Strassenhurenlook“ aussieht, ihr Euch so nie raustrauen würdet – dann ist es genau richtig. 😀      

„Wird sich das auch alles auszahlen?“ (von Sabrina)

„Wird sich das auch alles auszahlen?“

Diesen Satz hörte ich neulich im Zusammenhang mit den Erwartungen und Hoffnungen an eine erste Wettkampfvorbereitung. Und er lässt mich nicht los seither.

Wieso entschließen sich Menschen, auf die Bodybuilding-Bühne zu gehen? Wochenlang Diät zu halten, die zum Ende hin meist sehr eintönig ist, hartes Training bis an die Grenzen und darüber hinaus, völlige Unfähigkeit am „normalen“ Sozialleben teilzunehmen weil man
a) zu kaputt,
b) zu fokussiert und
c) unleidig
geworden ist. Warum „tut“ Mensch sich das an?

Fange ich doch bei mir an: Warum habe ich mir das angetan?

Ich trainiere, seitdem ich 18 bin.
Training hat mir schon immer Spaß gemacht, ich mag da gern Vollgas geben und meine eigenen Grenzen neu ausloten. Der schwierige Teil war eher die Ernährung – ich esse zu gern (keine Neuigkeiten für meine Blogleserinnen und –leser).

Als ich anfing, da gab es keine Klasse für mich. Frauenbodybuilding schien mir unendlich weit weg. Klar habe ich genauso trainiert und fand die Poster im Studio von Anja Langer auch umwerfend, aber mich selber fand ich immer „zu wenig“ von der Muskulatur her. Dann wurde die Fitness-Leistungs-Klasse eingeführt. Das war schon spannender. Allerdings habe ich null akrobatischen/turnerischen Background und ich bin auch sowas von steif, einen Spagat krieg ich nicht mal in den kühnsten Träumen hin. Also war die neue Klasse mit den Anforderungen an die Kür nichts für mich.

Trotzdem habe ich weiter trainiert, bin auch weiterhin mit Freunden zu Meisterschaften gefahren und habe die Mädels bewundert. Und klar war ich auch neugierig, ob mein Training wohl auch so einen Körper zaubern konnte bzw. was schon da war. Spätestens als mein damaliger Partner selber startete und ich das hautnah miterlebt habe begann es auch in mir zu kribbeln. Aber ich habe mich klein reden lassen von anderen, habe meiner eigenen negativen inneren Stimme und diesen anderen Leuten geglaubt, dass ich nicht „das Zeug dazu habe“. Und habe den Traum vom Glitzerbikini on stage wieder in die untere Schublade getan.

Selbst als die Figurklasse eingeführt wurde – MEINE Klasse – habe ich diesen Traum nicht wieder rausgekramt, Auch nach Partnerwechsel und neuem Umfeld nicht.

Doch es gibt zwei Momente, zwei ganz wesentliche Augenblicke, die das alles geändert haben, 2009:

Der eine Moment war jener, in welchem ich eine erfolgreiche Athletin live im Studio erlebt und festgestellt habe, dass sie kein Übermensch oder perfektes Modell aus der Zeitung war, sondern ganz normal. Und als ich da so neben ihr stand habe ich gedacht: „Wenn sie das kann, dann kann ich das auch!“

Also kramte ich meinen Traum wieder aus der Schublade und fing an, nur für mich, mal etwas abzunehmen, mehr auf die Ernährung zu achten. Es daheim einmal laut auszusprechen (was für mich einen riesigen Schritt bedeutete).

Der zweite Moment war der erste Formcheck im Studio mit Olaf Peters, dem ersten Fachkundigen, der mich außer meinem Lebensgefährten im Bikini zu sehen bekam.

Und die Reaktion zaubert mir heut noch ein dickes Grinsen ins Gesicht. Denn sie trieb all die kleinen negativen Gedanken davon, klebte dem Neinsager in mir ein dickes Heftpflaster auf den Mund. Olaf war überzeugt von mir, von meiner Chance mich gut platzieren zu können. Das alles war mir damals nicht so wichtig. Klar, man macht das nicht um Letzter zu werden (und ich wurde Letzte bei meinem ersten Start), aber mir ging es in erster Linie um das „Machen“, darum es mir selber und den ganzen anderen Nein-Sagern da draußen zu beweisen.

Es waren spannende Wochen, harte Wochen. Trainingssessions mit Weinen vor Erschöpfung und Bestleistungen trotz Diät. Es gab zum Ende hin Momente, wo ich mich 10 Min. selber motivieren musste um von der Couch aufzustehen und zur Toilette zu gehen. Und tolle Momente, wie das erste Mal eine Ader auf der Schulter zu sehen, das erste Mal mein Sixpack zu sehen oder überhaupt zu erkennen, dass ich eine gute Körperstruktur habe unter all den Kurven, die ich sonst mit sich herumtrage. 😉

 

Zurück zum Anfangsgedanken: „Wird sich das auch alles auszahlen?“

Ich sage: „Es kommt darauf an!“

Auf Deine eigenen Erwartungen an die Vorbereitung.
Definiere „auszahlen“.
In finanzieller Hinsicht zahlt sich da gar nichts aus. Im Profibodybuilding auf den Top3-Plätzen beim Top-Wettkampf vielleicht. Ansonsten zahlt man nur drauf. Gutes Essen ist auf Dauer doch etwas teurer als Tiefkühlpizza. Dazu die guten Supplemente (ich selber bin z.B. extrem wählerisch mit meinem Eiweiß). Und von den Kosten für Haare, Makeup, Nägel, Farbe, Schuhe, 2. + 3. Paar Schuhe, weil Frau sich nicht entscheiden kann, Bikini und 2. Bikini für die Vorwahl und dann noch der endlose Glitzer für den Bikini (selbst ich, die das ja nun immer selber macht, hab da ordentlich Geld gelassen für Unmengen an Strass – weil ich es so gerne wollte).

Zahlt es sich aus in sportlicher Sicht?

Das kommt darauf an. Man lernt viel über seinen Körper, wie er funktioniert. Die meisten essen das erste Mal wirklich nach Plan und merken, dass sie vorher scheinbar doch viel falsch gemacht haben. Ich hasse Cardio – auch in der Diät, aber ich liebe Plyometrics und so habe ich das für mich genutzt. Es ist auch toll zu sehen, was sich alles tut und verändert, am Ende wirklich mal zu sehen was „darunter“ ist, was man sonst versteckt mit sich herumträgt. Natürlich wird das nicht jedem gefallen. Aber man ist so auf sich fokussiert, dass das egal ist.

Und der Wettkampf?
Über die Platzierungen entscheidet ein Kampfgericht. Als Athlet und auch als Coach hat man ja einen bestimmten Look im Kopf, den man anstrebt. Und natürlich gibt es Wettkampfregeln, an die man sich hält – von Verband zu Verband verschieden. Aber was dann letztlich gerichtet wird am Tag X, das hängt von so vielen Faktoren ab. Seid nicht enttäuscht, wenn ihr nicht gleich Deutsche Meisterin werdet. Das schaffen die wenigsten im ersten Anlauf. Klar möchte niemand Letzte werden – aber auch das überlebt man. 😉 Ich wurde platziert, war im Nachhinein zufrieden mit den Plätzen – aber nicht mit meiner Form. Aber an der kann man ja weiter arbeiten.
Zahlt es sich aus in emotionaler Hinsicht?

Das muss man von zwei Seiten betrachten.
Die eine Seite ist das Zwischenmenschliche. Ich habe „Freundinnen“ durch die Diät verloren, weil sie es nicht verstanden haben, mich nicht unterstützt bzw. dauerhaft boykottiert haben, neidisch waren. Ich habe bei anderen festgestellt, wie sehr sie hinter mir stehen. Man lernt also viel über Menschen im Umfeld.
Auch in der Partnerschaft gibt es zwei Seiten. Der Partner hat entweder Verständnis und unterstützt einen im Idealfall (meinem Fall) oder auch er zeigt eine negative Haltung und man findet sich zusätzlich zum Diätstress auch noch im Beziehungsstress wieder (im Freundeskreis erlebt, mehr als einmal).
Die andere Seite ist man selber. Diese Diät macht einen entweder nur müde und kaputt, oder zickig. Ich habe beides erlebt. In meiner ersten Diät war ich eigentlich nur glücklich, dass ich diesen Traum endlich wahrmachte – dazu dann halt dauerkaputt. In der zweiten Diät kamen diverse äußere Faktoren hinzu und ich war eine ganz schöne Zicke.
Leider muss das dann in den meisten Fällen der Partner aushalten. Klar ist jeder Athlet dankbar, aber nicht immer kann man das zeigen (*Randnotiz: Sagt Eurem Schatz ruhig öfter, dass ihr dankbar seid!!).

Was die emotionale Ebene mit mir selber angeht habe ich wirklich viel über mich gelernt.
Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Diät.
Dinge wie:
-was ist mir wichtig
-was ist mir wirklich wichtig
-was will ich im Leben und
-was will ich nicht
Man muss sich mit alten Verhaltensmustern auseinandersetzen.
Man lernt Prioritäten zu setzen und auch etwas durchzuziehen, bis zum Ende.
Man lernt beißen und weitermachen, nicht aufzugeben.
Man lernt, dass eine Tafel Schokolade in 10 Sekunden inhaliert werden kann, man sich hinterher aber nur schlecht fühlt.

Was es mir wirklich gegeben hat ist Stolz.
Ich habe mir einen Traum erfüllt. Ich habe es allen gezeigt, die an mir gezweifelt haben – sogar zweimal mittlerweile.
Ich habe mein Talent entdeckt und freue mich sehr darüber, dass ich diese Sache, die ich liebe, auch noch gut kann.
Ich mag es auf der Bühne zu stehen, muss da nicht künstlich grinsen weil ich happy bin.
Ich mag den Weg dorthin. Vielleicht nicht jeden Augenblick, aber den Großteil der Momente.
Ich mag es wie sich mein Körper verändert. Ich mag die Reise dorthin, der Weg war für mich das Ziel – wortwörtlich.
Mag es wie Wochen der Arbeit in 2 Minuten auf der Bühne gipfeln.
Mag das Gefühl backstage mit den Mädels, abklatschen wenn man runtergegangen ist.
Das Herzklopfen beim Blick auf die Finalliste. Das Hoffen auf die Platzierung.
Mag die Freundschaften, die entstehen. Mag das Klassentreffengefühl jedes halbe Jahr auf den Meisterschaften.

 

Also: „Wird sich das auch alles auszahlen?“
meine höchstpersönliche Antwort lautet: „JA!“

Du kannst alles schaffen, wenn Du es willst. – Du musst es aber tun!

 

und das Wichtigste, das ALLERWICHTIGSTE, was ich allen mitgebe, die mich um Rat fragen:

„Hab Spaß dabei!“

 

 

Aber denkt jetzt nicht, dass das alles mit dem Augenblick auf der Bühne vorbei ist. Eigentlich geht es direkt danach weiter. Leider auch mit den nicht so tollen Seiten – aber dazu mehr in einem anderen Blog.