Der informative Blog, Teil 9: Der Selbstversuch: Ich nähe mir einen Wettkampf-Bikini (von Sabrina)

 

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Das bin ich – 100%.
Also…nicht, dass ich keine Anleitungen lesen kann oder mag.
Nein, es ist vielmehr so, dass ich mir Dinge gerne selber beibringe, ausprobiere und teste.

Nähen zum Beispiel. Habe ich nie gelernt.
Logo hatte auch ich eine Omi, die eine Nähmaschine hatte, und da hab ich immer mal zugeguckt und gestaunt.
Dann habe ich in einem Anfall von Größenwahn mein Abiball-Kleid aus Panesamt mit Muster nach einem ultra-extravagantem Schnitt von Burda versucht selber zu nähen.
Versucht muss hier betont werden, denn es wurde zwar ein Ganzes, aber getragen habe ich es nie und bin auch nicht zum Abiball – aber das lag nicht nur am Kleid. *lach*

 

Also… Nähmaschine habe ich und wie ihr wisst ja auch irgendwie viel zu viele Interessen.

Es lag also nah, mich mal an einem Bikini zu versuchen. Nach dem Motto „Das kann ich auch“.

Gesagt, getan.
Dazu benötigt man neben einem „Schnittmuster“ auch die Materialien.

Also bin ich erst mal zum örtlichen, sehr gut sortierten Karstadt gestiefelt. Aber die Probleme fingen schon damit an, dass ich nicht wusste, wie die Stoffart heißt, die ich möchte.
Glänzend und mit Elastananteil. Aha. Die Verkäuferin guckte etwas merkwürdig, als ich von Bühnenbikinis faselte – aber keinen Bademodenstoff wollte.

Also – zurück zu meinem Freund Google.
Siehe da, mit einige Tricks findet man raus: Zu gut deutsch heißt das, was ich suchte „Folienjersey“. Findet man häufig unter Karnevalsstoffen… aha… da gehört das wohl auch hin, Bühnenkostüm und Fasching und so. *lach*

Also habe ich mir einfach mal auf Verdacht ein paar Stoffe im Internet bestellt.

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Dabei lernen wir gleich Lektion 1: Was auf den Bildern toll aussieht, muss
a) im echten Leben nicht toll aussehen bzw.
b) sich nicht zwingend für WK-Bikinis eignen.

Viele meiner Probestoffe ließen bereits während der Verarbeitung „Federn“, im Sinne von verloren ihren Glanz oder gar Farbe.

 

Nun hat man also den Stoff.
Damit ist es aber nicht erledigt.
Passend zum Stoff braucht man Garn, einige Meter Gummiband in verschiedenen Breiten, dazu noch mögliche Verschlüsse für den Bikini und natürlich: Die Cups.

Mein erster Nähversuch war mit einem Triangel-Oberteil nach einem Schnittmuster aus dem Internet.
Und das kann ich Euch gleich sagen: Wenn Ihr nicht zufällig Silikonbrüste habt, dann vergesst das Thema Triangel direkt wieder.
Jede Naturbrust, die ich bisher am Ende einer WK-Diät gesehen habe, war bestenfalls noch etwas Haut. Das ist mies, geht uns aber allen so.

Also – woher bekomme ich diese Cups, auf die man dann quasi den Stoff näht?

Wieder hin zu Karstadt und dann doch wieder zum Freund Google… aber wonach sucht man da im Internet? Die richtigen Stichworte sind sicherlich hilfreich.
Aber noch hilfreicher ist meine liebe Freundin Elena Shporthun, die selber erfolgreiche Bikini-Designerin ist. (Shop: http://www.peter-freimuth.de/shop/ )

Sie hat mir also freundlicherweise einige paar von diesen Cups verkauft. A und B/C.

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Nu saß ich also mit allen „Zutaten“ vor meinem Schnittmuster und dann ging es los.
Einfach Augen zu und durch….-geschnitten, den Stoff jetzt.
Das allein ist schon gar nicht so einfach – erst mal das Schnittmuster übertragen (aka entweder aus Pappe ausschneiden oder Papier festpinnen) und dann muss man da mit einem möglichst unsichtbaren Edding oder Kreide oder so was auf dem Stoff malen – und hinterher die Linien erkennen und gut = passgenau ausschneiden. Ach ja… und den Futterstoff auch noch, der muss da auch noch reinpassen, exakt geschnitten sein.
Ja ne, is‘ klar. *schwitz*

Alleine das alles – Muster festpinnen, Malen, ausschnibbeln, hat bei mir immer über eine Stunde gedauert – und da war noch nichts genäht.

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Und dann  das Gummiband (damit es hinterher gut sitzt) einarbeiten, mit den Pins, und beim Nähen in Form ziehen… waaaaah – dann war die eine Seite mehr gerafft als die andere am Beinausschnitt, alles wieder auftrennen.
Dann war das Gummiband gefühlt 2 mm zu breit für den Stoff und nu passte der Schnitt nicht mehr – wieder alles auftrennen… ist ja nicht so, dass das nicht nervt. 😉

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Erwähnte ich schon, wie schei** fummelig das Nähen der Bänder ist? Also Bänder für die Oberteile zum festschnüren? Da muss man den Stoff in gleichmäßige Bahnen schneiden und dann um den Gummizug wickeln, festpinnen und ebenso festnähen… wenn man da Millimeter verrutscht dann kommt der Stoff hoch weil die Naht nicht greift, dann hat man da gleich an der Stelle eine Doppelnaht – WAAAAH.

 

Insgesamt muss ich sagen: Das Schnittmuster aus dem Internet war für den „Popo“. Das ist nicht böse gemeint und vielleicht liegt es auch an meinen Nähkünsten, aber das passte hinten und vorne nicht (jawohl, weder am Po noch an der Brust bzw. die Vorderseite des Höschens war auch viel zu weit ausgeschnitten… 😮 )

https://www.youtube.com/watch?v=m1joBnTgU8A

 

Das sieht alles so einfach aus, aber glaubt mir: Das ist es nicht!
Auch nach einigen Versuchen mit dem Schnittmuster habe ich es sein gelassen.

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Gottseidank habe ich liebe Freundinnen (Danke Katl und Svenja), die geduldig alle meine „Tests“ anprobierten und mir berichteten… aber wir haben gemeinsam auch viel gelacht.

 

Nun also habe ich eine andere Freundin (danke Leslie!) überredet, mir ihren „alten Bikini“ zu leihen, damit ich mir aus diesem ein Schnittmuster anfertigen kann.
Das Oberteil hatte ich Dank der Cups von Elena relativ schnell raus, aber die Hose blieb ein Problem.
Und wie macht man aus einem Bikini ein Schnittmuster?
RICHTIG – man tötet ihn aka man trennt ihn auf… ganz billige Methode… also billig, wenn man einen alten Bikini hat. Nicht billig, wenn man extra dazu einen Neuen kaufen muss. 😉

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Auch das habe ich danach gemacht, nachdem ich mit dem Muster vom „toten Bikini“ nicht happy war, habe ich mir einen Blankobikini bestellt und den aufgetrennt… was tut man nicht alles…für die Kunst. *lach*

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Und dank der Cups von Elena klappte es nun auch mit dem Oberteil…wenn auch nicht ohne Fluchen und Fummeln:

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Und zwischendurch immer mal schielen auf die fertigen Objekte der Begierde…wie die so aussahen und vor allem: wie PERFEKT die Nähte waren…
Und das kann ich Euch erzählen… so eine Naht gerade hinzubekommen mit einem elastischen Stoff und Gummiband da drin, das ist Kunst. In Großbuchstaben. K-U-N-S-T!

Ich habe allerhöchsten Respekt vor Elena und den anderen Schneiderinnen, die das tagtäglich machen.
Logo, auch da wird man mit der Zeit/Routine sicherlich besser, aber bitte… auch nach 5 fertigen Bikinis war ich am verzweifeln… und hätte das eine oder andere Teil am Liebesten in die Ecke geworfen…oder verbrannt.

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Nun also hatte ich einen fertigen Figurbikini mit zwei verschiedenen Hosen fabriziert, mein mittlerweile 3. Bikini. Und das sah auch einigermaßen annehmbar aus… Wer mich kennt, weiß wie hoch mein eigener Anspruch ist.
Der ist einfach höher als meine Nähkunst. Und ich war und bin mit den Nähten nicht zufrieden, auch wenn das auf der Bühne kein Mensch sehen wird, ich WEISS es.

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Das war die Episode Figurbikini.
Aber damit wollte ich es nicht auf sich beruhen lassen, ne. Oberteil konnte ich ja nun, also muss nur noch das Bikinihöschen her.

Auch hier wieder habe ich – ganz pragmatisch – einen günstigen Bikini meines bevorzugten Designers bestellt und dieses als Schnittmuster verwandt. Ob das jetzt schon als „Klauen/Kopieren“ gilt, weiß ich nicht. Aber ich möchte hier schonungslos offen mit Euch sein. 🙂

Aber mit dem Schnitt ist es in der Bikiniklasse ja nicht getan.
Also: Woher bekommt man Connectoren??
Mittlerweile kann ich auch hier sagen: Elena Shporthun!
Damals habe ich versucht, selber welche zu finden.
Da bleibt einem dann die Wahl zwischen EBAY, Etsy (USA) oder Alibaba, Direktbezug aus China. Da muss man dann halt nur so Mengen ab 100/200/500 Stück kaufen… aber wer braucht 200 Connectoren, wenn er nur mal ein oder zwei Bikinis nähen will? Ich wollte das nicht als Vollzeitjob machen, sondern „nur mal so“…

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Also… Elena war wieder die Lösung und so entstand dann dieses hier.

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Also.
Ich kann sagen: Ich kann mir einen eigenen Wettkampfbikini nähen, ob nun Figur- oder Bikiniklasse.

Die viel wichtigere Frage ist aber: Rechnet sich das?

Meine Antwort lautet: Nein.

 

Ich mache hier für Euch mal die einfache Rechnung:

Nähmaschine??
Stoff:  bis man den Richtigen hat:  50 – 100 € (kein Witz)
Materialien (Schere, Gummibänder etc.): 30-40 €
BH-Cups (-schalen): 12,50 €
Connectoren: mind. 40 €
Muster:
-in meinen Augen unbrauchbar bei Etsy: 10 € )https://www.etsy.com/shop/JodiLaneDesigns)
– Bikinis kaufen und auftrennen:  mind. 80 €
– verlorene Nerven, bis das Ding gut aussieht:  unbezahlbar
– Zeitaufwand: Ohne Routine mehrere Stunden/Tage

 

 

Für mich hat sich das nicht gerechnet.
Da beauftrage ich lieber einen Profi und lasse mir das perfekte Teil liefern ganz ohne Stress.

 

Wer von Euch aber nähtechnisch sehr begabt ist und ggf. bessere Kontakte hat als ich was die Materialien angeht… man kann es schaffen. 😉

 

Ich werde mich in Zukunft eher an den Glitzer halten… das macht mir mehr Spaß 😉

 Eure Nixe Sabrina

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„Wird sich das auch alles auszahlen?“ (von Sabrina)

„Wird sich das auch alles auszahlen?“

Diesen Satz hörte ich neulich im Zusammenhang mit den Erwartungen und Hoffnungen an eine erste Wettkampfvorbereitung. Und er lässt mich nicht los seither.

Wieso entschließen sich Menschen, auf die Bodybuilding-Bühne zu gehen? Wochenlang Diät zu halten, die zum Ende hin meist sehr eintönig ist, hartes Training bis an die Grenzen und darüber hinaus, völlige Unfähigkeit am „normalen“ Sozialleben teilzunehmen weil man
a) zu kaputt,
b) zu fokussiert und
c) unleidig
geworden ist. Warum „tut“ Mensch sich das an?

Fange ich doch bei mir an: Warum habe ich mir das angetan?

Ich trainiere, seitdem ich 18 bin.
Training hat mir schon immer Spaß gemacht, ich mag da gern Vollgas geben und meine eigenen Grenzen neu ausloten. Der schwierige Teil war eher die Ernährung – ich esse zu gern (keine Neuigkeiten für meine Blogleserinnen und –leser).

Als ich anfing, da gab es keine Klasse für mich. Frauenbodybuilding schien mir unendlich weit weg. Klar habe ich genauso trainiert und fand die Poster im Studio von Anja Langer auch umwerfend, aber mich selber fand ich immer „zu wenig“ von der Muskulatur her. Dann wurde die Fitness-Leistungs-Klasse eingeführt. Das war schon spannender. Allerdings habe ich null akrobatischen/turnerischen Background und ich bin auch sowas von steif, einen Spagat krieg ich nicht mal in den kühnsten Träumen hin. Also war die neue Klasse mit den Anforderungen an die Kür nichts für mich.

Trotzdem habe ich weiter trainiert, bin auch weiterhin mit Freunden zu Meisterschaften gefahren und habe die Mädels bewundert. Und klar war ich auch neugierig, ob mein Training wohl auch so einen Körper zaubern konnte bzw. was schon da war. Spätestens als mein damaliger Partner selber startete und ich das hautnah miterlebt habe begann es auch in mir zu kribbeln. Aber ich habe mich klein reden lassen von anderen, habe meiner eigenen negativen inneren Stimme und diesen anderen Leuten geglaubt, dass ich nicht „das Zeug dazu habe“. Und habe den Traum vom Glitzerbikini on stage wieder in die untere Schublade getan.

Selbst als die Figurklasse eingeführt wurde – MEINE Klasse – habe ich diesen Traum nicht wieder rausgekramt, Auch nach Partnerwechsel und neuem Umfeld nicht.

Doch es gibt zwei Momente, zwei ganz wesentliche Augenblicke, die das alles geändert haben, 2009:

Der eine Moment war jener, in welchem ich eine erfolgreiche Athletin live im Studio erlebt und festgestellt habe, dass sie kein Übermensch oder perfektes Modell aus der Zeitung war, sondern ganz normal. Und als ich da so neben ihr stand habe ich gedacht: „Wenn sie das kann, dann kann ich das auch!“

Also kramte ich meinen Traum wieder aus der Schublade und fing an, nur für mich, mal etwas abzunehmen, mehr auf die Ernährung zu achten. Es daheim einmal laut auszusprechen (was für mich einen riesigen Schritt bedeutete).

Der zweite Moment war der erste Formcheck im Studio mit Olaf Peters, dem ersten Fachkundigen, der mich außer meinem Lebensgefährten im Bikini zu sehen bekam.

Und die Reaktion zaubert mir heut noch ein dickes Grinsen ins Gesicht. Denn sie trieb all die kleinen negativen Gedanken davon, klebte dem Neinsager in mir ein dickes Heftpflaster auf den Mund. Olaf war überzeugt von mir, von meiner Chance mich gut platzieren zu können. Das alles war mir damals nicht so wichtig. Klar, man macht das nicht um Letzter zu werden (und ich wurde Letzte bei meinem ersten Start), aber mir ging es in erster Linie um das „Machen“, darum es mir selber und den ganzen anderen Nein-Sagern da draußen zu beweisen.

Es waren spannende Wochen, harte Wochen. Trainingssessions mit Weinen vor Erschöpfung und Bestleistungen trotz Diät. Es gab zum Ende hin Momente, wo ich mich 10 Min. selber motivieren musste um von der Couch aufzustehen und zur Toilette zu gehen. Und tolle Momente, wie das erste Mal eine Ader auf der Schulter zu sehen, das erste Mal mein Sixpack zu sehen oder überhaupt zu erkennen, dass ich eine gute Körperstruktur habe unter all den Kurven, die ich sonst mit sich herumtrage. 😉

 

Zurück zum Anfangsgedanken: „Wird sich das auch alles auszahlen?“

Ich sage: „Es kommt darauf an!“

Auf Deine eigenen Erwartungen an die Vorbereitung.
Definiere „auszahlen“.
In finanzieller Hinsicht zahlt sich da gar nichts aus. Im Profibodybuilding auf den Top3-Plätzen beim Top-Wettkampf vielleicht. Ansonsten zahlt man nur drauf. Gutes Essen ist auf Dauer doch etwas teurer als Tiefkühlpizza. Dazu die guten Supplemente (ich selber bin z.B. extrem wählerisch mit meinem Eiweiß). Und von den Kosten für Haare, Makeup, Nägel, Farbe, Schuhe, 2. + 3. Paar Schuhe, weil Frau sich nicht entscheiden kann, Bikini und 2. Bikini für die Vorwahl und dann noch der endlose Glitzer für den Bikini (selbst ich, die das ja nun immer selber macht, hab da ordentlich Geld gelassen für Unmengen an Strass – weil ich es so gerne wollte).

Zahlt es sich aus in sportlicher Sicht?

Das kommt darauf an. Man lernt viel über seinen Körper, wie er funktioniert. Die meisten essen das erste Mal wirklich nach Plan und merken, dass sie vorher scheinbar doch viel falsch gemacht haben. Ich hasse Cardio – auch in der Diät, aber ich liebe Plyometrics und so habe ich das für mich genutzt. Es ist auch toll zu sehen, was sich alles tut und verändert, am Ende wirklich mal zu sehen was „darunter“ ist, was man sonst versteckt mit sich herumträgt. Natürlich wird das nicht jedem gefallen. Aber man ist so auf sich fokussiert, dass das egal ist.

Und der Wettkampf?
Über die Platzierungen entscheidet ein Kampfgericht. Als Athlet und auch als Coach hat man ja einen bestimmten Look im Kopf, den man anstrebt. Und natürlich gibt es Wettkampfregeln, an die man sich hält – von Verband zu Verband verschieden. Aber was dann letztlich gerichtet wird am Tag X, das hängt von so vielen Faktoren ab. Seid nicht enttäuscht, wenn ihr nicht gleich Deutsche Meisterin werdet. Das schaffen die wenigsten im ersten Anlauf. Klar möchte niemand Letzte werden – aber auch das überlebt man. 😉 Ich wurde platziert, war im Nachhinein zufrieden mit den Plätzen – aber nicht mit meiner Form. Aber an der kann man ja weiter arbeiten.
Zahlt es sich aus in emotionaler Hinsicht?

Das muss man von zwei Seiten betrachten.
Die eine Seite ist das Zwischenmenschliche. Ich habe „Freundinnen“ durch die Diät verloren, weil sie es nicht verstanden haben, mich nicht unterstützt bzw. dauerhaft boykottiert haben, neidisch waren. Ich habe bei anderen festgestellt, wie sehr sie hinter mir stehen. Man lernt also viel über Menschen im Umfeld.
Auch in der Partnerschaft gibt es zwei Seiten. Der Partner hat entweder Verständnis und unterstützt einen im Idealfall (meinem Fall) oder auch er zeigt eine negative Haltung und man findet sich zusätzlich zum Diätstress auch noch im Beziehungsstress wieder (im Freundeskreis erlebt, mehr als einmal).
Die andere Seite ist man selber. Diese Diät macht einen entweder nur müde und kaputt, oder zickig. Ich habe beides erlebt. In meiner ersten Diät war ich eigentlich nur glücklich, dass ich diesen Traum endlich wahrmachte – dazu dann halt dauerkaputt. In der zweiten Diät kamen diverse äußere Faktoren hinzu und ich war eine ganz schöne Zicke.
Leider muss das dann in den meisten Fällen der Partner aushalten. Klar ist jeder Athlet dankbar, aber nicht immer kann man das zeigen (*Randnotiz: Sagt Eurem Schatz ruhig öfter, dass ihr dankbar seid!!).

Was die emotionale Ebene mit mir selber angeht habe ich wirklich viel über mich gelernt.
Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Diät.
Dinge wie:
-was ist mir wichtig
-was ist mir wirklich wichtig
-was will ich im Leben und
-was will ich nicht
Man muss sich mit alten Verhaltensmustern auseinandersetzen.
Man lernt Prioritäten zu setzen und auch etwas durchzuziehen, bis zum Ende.
Man lernt beißen und weitermachen, nicht aufzugeben.
Man lernt, dass eine Tafel Schokolade in 10 Sekunden inhaliert werden kann, man sich hinterher aber nur schlecht fühlt.

Was es mir wirklich gegeben hat ist Stolz.
Ich habe mir einen Traum erfüllt. Ich habe es allen gezeigt, die an mir gezweifelt haben – sogar zweimal mittlerweile.
Ich habe mein Talent entdeckt und freue mich sehr darüber, dass ich diese Sache, die ich liebe, auch noch gut kann.
Ich mag es auf der Bühne zu stehen, muss da nicht künstlich grinsen weil ich happy bin.
Ich mag den Weg dorthin. Vielleicht nicht jeden Augenblick, aber den Großteil der Momente.
Ich mag es wie sich mein Körper verändert. Ich mag die Reise dorthin, der Weg war für mich das Ziel – wortwörtlich.
Mag es wie Wochen der Arbeit in 2 Minuten auf der Bühne gipfeln.
Mag das Gefühl backstage mit den Mädels, abklatschen wenn man runtergegangen ist.
Das Herzklopfen beim Blick auf die Finalliste. Das Hoffen auf die Platzierung.
Mag die Freundschaften, die entstehen. Mag das Klassentreffengefühl jedes halbe Jahr auf den Meisterschaften.

 

Also: „Wird sich das auch alles auszahlen?“
meine höchstpersönliche Antwort lautet: „JA!“

Du kannst alles schaffen, wenn Du es willst. – Du musst es aber tun!

 

und das Wichtigste, das ALLERWICHTIGSTE, was ich allen mitgebe, die mich um Rat fragen:

„Hab Spaß dabei!“

 

 

Aber denkt jetzt nicht, dass das alles mit dem Augenblick auf der Bühne vorbei ist. Eigentlich geht es direkt danach weiter. Leider auch mit den nicht so tollen Seiten – aber dazu mehr in einem anderen Blog.

 

Extrem schön…oder? (von Sabrina)

„Der kleinste Feind ist wohl, der dir von außen droht; Der dir im Busen wohnt, verursacht größ’re Not.“
Andreas Tscherning

 

Wer mich kennt, der weiß: Ich liebe Zitate.
Und das Thema zu diesem Blog geistert mir nun schon eine Weile im Kopf herum.

Wenn man mehr mit der „Szene“ (Anmerkung der Redaktion: Die Bodybuildingszene) zu tun hat, dann dreht sich früher oder später alles um das Aussehen. Das ist ja in unserer Gesellschaft ohnehin schon über die Maße so, aber der Wettkampfbereich treibt das Ganze irgendwie auf die Spitze. Und wie immer bei solchen Extremen gibt es auch Schattenseiten.
Denn kaum einer sieht, wenn er die Athletin gestylt, gebräunt, geölt im Glitzerminidings auf High Heels on stage erblickt, was wirklich dahinter liegt.

Und damit meine ich nicht die Stunden auf dem Crosser, Stepper, an den Hanteln oder beim Friseur.

Damit meine ich den psychischen Aspekt. Den Teil, über den kaum jemand spricht, und denn doch alle Wettkampfathletinnen kennen – ebenso wie alle anderen Frauen.

„Dieser Sport macht aus Frauen Psychos“ ist eine Aussage, die mir immer im Kopf geblieben ist. Und die Gefahr liegt extrem nah, nach einer monatelangen Diät, strengsten Ernährungskriterien für Tag X in eine Loch zu fallen. Denn nach der ersten Wettkampfdiät bleibt eine Frage „unbeantwortlich“: Was ist normal?
Normal gibt es nicht mehr. Jedenfalls nicht in meinem Kopf – und vielleicht auch nicht in Eurem.
Ist es normal, alle 3 Stunden zu essen? Bei jeden Mahlzeit auf ausreichende Proteinzufuhr zu achten? Ist es normal abends mit den Mädels loszuziehen und auf der Karte direkt in die Steakabteilung zu blättern, weil man ja noch ein bisschen Eiweiß essen will zum Cocktail? Schlechtes Gewissen, weil man den Shake vergessen hat oder einfach mal ein trockenes Brötchen essen mag?

Und dann der hyperkritische Blick in den Spiegel… ich hatte es schon erwähnt: Wenn ihr einmal in Wettkampfform wart und wisst, wie Euer Körper aussehen kann, ist alles, was danach kommt nur noch Unzufriedenheit.
Dabei ist diese extreme Form von Tag X absolut nicht alltagstauglich, schon gar nicht aus gesundheitlichen Gründen. Und wenn man schon ein Sixpack hat, dann muss man sich meistens von dem Natur-D-Körbchen verabschieden. Wahrhaben will Frau das aber nicht.

Zu dem Spiegel gesellt sich der nächste „Feind“ hinzu: Die Waage.
Was ist ein normales Gewicht? Wie viel sollte ich wiegen? Ab wann ist es „zu viel“? Was ist Muskelschutz und was ist nur noch Speck? Ich hab mich mit +4kg über Wettkampfgewicht schon zu dick für einen Bikini gefühlt – ja hallo geht’s noch???

Und der schlimmste Feind von allen ist die Stimme in unserem Kopf, sind wir selber: So, wie ich manches Mal mit mir ins Gericht gehe, so würde ich mit keiner Freundin reden (und täte ich es, wäre sie vermutlich die längste Zeit meine Freundin gewesen).

Warum aber fällt es uns so schwer, mit uns selber etwas „netter“ zu sein?
Das bezieht sich nicht mal nur auf Wettkampfathletinnen sondern auf Frauen allgemein: Neulich abends zappte ich so durchs Programm (Schreibblockade) und blieb bei RTL2 hängen „Extrem schön“:

„Schöne Babys bekommen mehr Zuwendung, schöne Erwachsene haben mehr Erfolg. Doch was ist mit denen, die von der Natur nicht mit einem attraktiven Äußeren bedacht wurden? Die neuen Folgen von „Extrem schön! Endlich ein neues Leben“ zeigen Menschen, die aufgrund ihres Aussehens ausgegrenzt werden, ihr Selbstwertgefühl verloren und sich aus dem Leben zurückgezogen haben.“

Aber was man dort geboten bekommt kann in Wahrheit kein Schönheitschirurg der Welt operieren: Hass in einer absolut extremen Form gegen sich selber.

Es hat mich ehrlich bewegt, wie sehr diese Frauen sich selber ablehnen.
Und am Ende der Sendung mit 2 kg Makeup, Haarverlängerung, in ein Kleid gepresst und mit Limousine vorgefahren strahlen sie für die Kameras – aber was ist am nächsten Tag? Oder nächste Woche? Wo bleibt der wichtigste Aspekt neben all dem? Wie es innen aussieht? Erfolgt hinter den Kulissen eine Betreuung und ist diese nur zu langweilig fürs Publikum oder verzichtet man da schlichtweg drauf?
Die schöne Hülle allein macht doch nicht glücklich?

Oder doch?

Und: Wie weit ist man selber wirklich davon entfernt?
Schon klar, jetzt sagt ihr „aber soooo schlimm bin ich ja nicht drauf, mich stören nur die Fettpolster an der Hüfte/die dicken Oberschenkel/der Hängepo/…beliebig einsetzen“.
Und jetzt lasst das mal stehen, tretet einige Schritte zurück und blickt noch mal mit Distanz drauf: Wie weit ist man wirklich von dem heulenden Elend weg?

Natürlich sucht sich RTL2 die absoluten Härtefälle raus: Wenn ich mir 10 Jahre nicht die Zähne putze kann das nur zur absoluten Gammelkatastrophe im Mund führen. Und klar ist es nach 5 Kindern so, dass die Brust nicht mehr aussieht wie mit 18. Und wenn Frauen sich jahrelang nicht pflegen, nicht auf sich achten – ja woher soll das tolle Aussehen dann kommen?
Und was uns selber betrifft: Die Monate, Wochen, die man mit Wettkampfdiät verbringt, die sind doch irgendwie genug Zeit mit totalem Fokus auf das Aussehen; jede Falte, jede Ader, jedes Röllchen wird täglich beäugt und beurteilt.

Wenn man das nun noch die Zeit um diese Diät herum so fortführt, ja da kann man doch nur noch gaga werden.
Den Bezug zum normalen Leben verlieren. Zumindest was normal für mich bedeutet – denn: Was ist schon normal?
Worauf ich eigentlich hinaus will:
Wieso sind wir nicht einfach mal etwas netter zu uns selber?

Warum fällt es uns so schwer, uns selber anzunehmen? Warum sehen wir immer nur unsere Makel – in RIESENGROSSZOOM -, anstatt unsere Vorzüge? Warum so hyperkritisch? Warum konzentrieren auf das Negative anstatt auf das Positive?
Warum sehen wir auf Bildern nie unser strahlendes Lächeln – sondern nur die dicken Wangen oder unsere unmöglichen Haare?
Haben wir nicht alle genug mit negativen Menschen, Kommentaren etc. zu tun?
Warum nicht einfach mal ein wenig Leben? Ohne diese ständig mäkelnde Stimme in unserem Kopf?

Und mal ehrlich: Langsam wird’s da drin auch ganz schön eng: Der Chef/Büroalltag, der Partner, die Freundinnen, Schweinehund Walter, die sportelnde Nixe, die große Schwester oder Tochter, Familie etc. – das ist wie morgens im Bus: Irgendwann zu laut. Alle reden durcheinander, ziehen an Dir.

Wie wäre es mit „Einfach – mal – ausblenden“?

 Und Euch morgen früh mal im Spiegel anzulächeln und zu sagen „Guten Morgen meine Hübsche!“… probiert es mal aus!