Interview mit IFBB-Bikini-Profi Figen Özdemir (von Sabrina)

 
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Immer wieder schreiben mir Mädels, die gerne starten wollen, oder schon gestartet sind und schildern mir ihre Vorstellungen vom Profi-Dasein.
Einige sehen sich schon mit diversen Sponsoren und ihren Job haben sie schon jetzt mal gekündigt, um sich ganz um ihre Fitness-Karriere kümmern zu können.

Ich verbringe seit Jahren viel Zeit in der „Szene“ und meine die richtige Antwort lautet: „Das ist (leider) unrealistisch, zumindest aktuell hier in Deutschland“.

Nichtsdestotrotz habe ich beschlossen, Euch in dem heutigen Blog noch einen anderen Blickwinkel zu bieten – den einer Profi-Athletin.

Figen Özedemir kenne ich schon einige Zeit über den Sport, habe bei der FIBO 2011 zusammen mit ihr am Stand der Firma Multipower gestanden.

(Eisennixe Aline mit IFBB-Profi Günter Schlierkamp und Figen)

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Natürlich habe ich auch ihre bisherige Amateur- und Profilaufbahn verfolgt und dachte mir, sie ist eine perfekte Kandidatin für ein Interview zu diesem Thema.

 

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Figen, erst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst für ein Interview mit der Eisennixe!

Du bist die allererste Bikini-Profi-Athletin in Deutschland.
Bei der internationalen DM 2010 sichertest Du Dir den Titel und konntest danach (nach dem damals gültigen Regelwerk) die Profi-Card beantragen.

Das war damals erst Deine zweite Wettkampfsaison beim DBFV. Kann man trotzdem sagen, Du hattest (langfristig) das Ziel Profi zu werden? Oder hast Du eher die Chance ergriffen, die sich Dir durch den Sieg der iDM bot?

Mit den Landesmeisterschaften habe ich 2010 insgesamt an 5 Wettkämpfen teilgenommen:
Int. Deutsche Meisterin – Herbst 2010

2. Platz Rhein – Neckar Pokal Herbst 2010

2. Platz Donau Cup Herbst 2010

4. Platz Deutsche Meisterschaft Frühjahr 2010

2. Platz Baden Württembergische Meisterschaft Frühjahr 2010

Damals wollte ich Just For Fun nur an der BAWÜ – Meisterschaft teilnehmen um die Erfahrung zu machen, die hinter einer Wettkampfvorbereitung wirklich steckt.

So kam ein Wettkampf nach dem anderen.
Ich hatte nicht einmal den Gedanken Profi zu werden. Überhaupt den Titel bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft zu holen, war für mich damals ein unglaubliches Gefühl. Vor allem in so einer kurzen Zeit.
2 Wochen nach der IDM habe ich zufällig mitbekommen, dass ich die Profi- Card beantragen konnte. Ende 2010 bekam ich dann auch schon per Post die Procard für 2011.

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Was hattest Du für Erwartungen an das Profi-Dasein?
Im Rückblick: Waren sie realistisch?
Du hattest ja vermutlich durch Deinen Lebensgefährten Mario Rieger einen besseren Einblick in die Profi-Szene als so manche Newcomerin.

Ich hatte überhaupt keine Erwartungen. Ich habe mich einfach überraschen lassen. Dabei sein ist alles war mein Motto. Es war einfach ein toller Moment, mit den Athletinnen auf der Bühne zu sein, die man seither immer selbst als Motivation verfolgt hatte.
Durch Mario hatte ich die Jahre davor schon einen Einblick in die Profi – Szene, somit war mir vieles schon bekannt.

 

Was sind die Hürden, die sich eventuell aufgetan haben?
Ich weiß, dass es z.B. mit einem Sponsoren gar nicht so einfach war. Lag das an Deinen Anforderungen oder auch schlicht an der Neuheit der Bikiniklasse zu der Zeit?

Das ist schwierig zu sagen.
Wenn man den Sport professionell betreiben möchte, benötigt man früher oder später finanzielle Unterstützung. Zumindest wenn man an mehreren Wettkämpfen im Jahr teilnehmen möchte.
Wir wissen ja wie schwierig es in der Branche ist, einen Sponsor zu finden, der einen finanziell unterstützt.

Die Profi – Wettkämpfe in der Bikini Klasse sind leider Europaweit noch nicht so verbreitet.  Somit muss man Reisekosten wie Flug und Hotel nach Amerika auf jeden Fall mit einkalkulieren.

Ein großes Interesse von Supplement Firmen bestand in Form eines  Produkt – Sponsorings.
Jedoch war ich durch unseren Sport Food to Go Shop mit Top Produkten versorgt. Außerdem bezahlt sich ein Flugticket nach Amerika leider nicht mit Proteinpulver.

Meine Anforderungen waren nie hoch angesetzt. Aber unter Wert verkaufen sollte man sich auch nicht.

Ich denke dass es generell der Sport an sich ist. Randsportarten vor allem Einzelsportler haben es in Deutschland eben sehr schwer. Wenn wir Fitness-Sportler in Amerika vergleichen, ob nun Hobby, Freizeit oder Profi, werden Athleten ganz anders aufgenommen wie bei uns hier.

 

Viele Mädels denken ja: „Jetzt bin ich Profi, ab sofort verdiene ich damit mein Geld“.

Das wäre ja einfach.
Alle Profiathleten müssen jedes Jahr eine Teilnahmegebühr für die Profilizenz von 200$ bezahlen. Die Deadline ist jedes Jahr zum 31.1. Wenn man sich zu spät entscheidet, kostet es 400$. Ohne an einem Wettkampf teilgenommen zu haben.

Wie jeder von uns, verdiene ich „ganz normal“ mein Geld.
Ich arbeite in Mario´s Tattoo Studio als Office Assistentin. Alles Rund um Termine, Beratung und Organisation gehört zu meinen täglichen Aufgaben. Im Tattoo Studio haben wir zusätzlichen einen Sport Food to Go Shop. Dort bieten wir Produkte von Body Attack, Ultimate Nutrition u.vm. an.

Zusätzlich biete ich seit Frühjahr 2013 Ernährungsberatung und Personaltraining an.
Einmal die Woche arbeite ich dann noch im Just Fitness als Trainerin und Kursleiterin.
Die wenigen Stunden Freizeit die man dann noch übrig hat, gestalte ich hauptsächlich mit Training und Kochen. Freunde und Familie bleiben leider oftmals auf der Strecke.
Ab und zu gönnen wir uns Kinobesuche um vom Arbeitsalltag abzuschalten, das ist dann aber auch schon alles.

Also liebe Mädels, Profi sein heißt nicht automatisch Geld verdienen.

Ich habe mich für diesen Sport entschieden, weil es mir Spaß macht. Ich lebe den Fitness – Lifestyle, egal wann und wo, weil es einfach befreit. Durch Fitness kann ich abschalten und Energie tanken.

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Du hast ja nun schon an Profiwettkämpfen teilgenommen. Würdest Du sagen, es ist ganz anders als ein Amateurwettkampf?

Ich habe bis jetzt an zwei Profi – Wettkämpfen teilgenommen. Sowohl in Miami als auch in Prag war der Ablauf komplett von den Amerikanern gesteuert.

Die Athleten werden zur Pressekonferenz eingeladen. Kampfrichter sind ebenfalls vor Ort und werden vorgestellt. An der Konferenz wird der Ablauf genau erklärt, wie
z.B wann und wo das Tanning stattfindet, wann die Athleten spätestens im Backstage Bereich sein müssen, wann das Prejudging ist, u.s.w.

Ähnlich wie bei den Männer Klassen der Profis wird man namentlich vorgestellt.

Alles andere ist vom Ablauf genauso wie bei einem Amateurwettkampf.

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Der Großteil der Wettkämpfe findet ja in den USA statt. Würdest Du sagen, es ist ein echter Nachteil, aus Deutschland/Europa zu kommen?
 Ich meine für eine Athletin, um sich in der USA an die oberste Spitze zu setzen beim Mr. O z.B.?

Ehrlichgesagt, ja.

Wie schon bei den Männern ( Schlierkamp, Rockel, Rühl, und aktuell Dennis Wolf ) zu erkennen, ist es nicht gerade einfach, nur unter die Top 10 zu kommen.
Das sogenannte „Übersehen“ werden von Deutschen Athleten ist ja bekannt.

Ebenso offensichtlich auch in den Frauenklassen. Ohne amerikanischen Sponsor, oder der amerikanischen Staatsbürgerschaft muss man froh sein, überhaupt einen Callout zu bekommen.

 

Würdest Du im Rückblick diesen Weg noch einmal gehen?

Es ist schade dass dieser Sport in Deutschland nicht so verbreitet ist wie z.B. in Spanien, Türkei, und natürlich Amerika.

Für mich war es eine große Chance, mit den besten der Welt auf der Bühne zu stehen, und darauf bin ich sehr stolz.

Ich würde es heute genauso machen.

 

Hamdullah Aykutlu z.B. hat sich ja re-amateurisieren lassen und nimmt wieder als Amateur an Wettkämpfen teil. Wäre das auch für Dich denkbar?
Oder sagst Du, der Profisport an sich war vielleicht nicht mein Weg, aber durch ihn haben sich viele neue Möglichkeiten aufgetan?

Reamateurisieren: Momentan denke ich eher nicht.

Den Weg einzuschlagen war die richtige Entscheidung.
Meine derzeit auf den Wettkampfsport bezogen inaktive Phase könnte sich unter den richtigen Voraussetzungen schnell ändern.
Durch die höhere Medienpräsens konnte ich natürlich meinen Beruf als Sportlehrerin, Personal Trainerin und Ernährungsberaterin besser publik machen.

 

Abschließend: Was würdest Du Newcomerinnen oder auch Starterinnen mitgeben auf den Weg?

Der Weg ist das Ziel – Bleib fokussiert und glaube an dich, dann kannst du alles erreichen.
You want it? Work for it!

Vielen Dank für das Interview
Eure Figen

 

 

Vielen Dank an Figen!

Mehr über sie könnt Ihr u.a. auf ihrer Facebookseite erfahren!

https://www.facebook.com/profile.php?id=100000102403113