Die starke Frau an seiner Seite…. (von Sabrina)

 

„Nicht Milch und Quark – Solidarität macht uns stark.“
Graffito

 

Wenn wir über Vorbereitungen, Wettkampfdiäten und Starten sprechen, dann gibt es immer zwei Seiten.  Über die eine habe ich Euch in einem der letzten Blogs berichtet. Von der anderen werde ich es heute tun.

Ich bin im glücklichen Umstand, dies zu können.  Denn nicht nur bin ich selber gestartet, nein ich habe auch einen Lebensgefährten, der dies getan hat.

Nun hört man ja oft viele Horrorgeschichten über Zicken, Zank und üble Launen, Krieg daheim, Trennungen und ich weiß auch nicht mehr, wieviele Heiratsanträge ich auf Meisterschaften erlebt habe – ob nun aus purer Dankbarkeit oder auch als  unterschwelliges „es tut mir leid, dass ich scheiße war“.

Ich kann nur von meiner eigenen Geschichte erzählen und auch mein persönliches Fazit nach X-Gesprächen mit anderen weitergeben.

 

Also, Part 1: Wie war es bei uns?

Vorweg: Ich habe die ausdrückliche Erlaubnis, hier etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. 😉
Mein Lebensgefährte hat sich zuletzt 2009 vorbereitet.
Die Diät startete Ende 2008, wobei er schon vorher anfing, die Lebensmittel langsam umzustellen.  Klar achtet man so auf sein Essen, aber er ist jetzt niemand, der 365 Tage aus der Tupper lebt und nur clean  isst, deshalb merkte man es quasi schrittweise. Weihnachten wurde dann noch mit der obligatorischen Erkältung verbracht (keine Vorbereitung ohne 1x krank), dann ging‘s los.  Er persönlich mag immer lieber mit viel Zeit diäten.

Zuerst merkt man als Partner nicht wirklich viel davon.
Ich meine: Viel zum Sport gehen wir auch so.
Gut, die gemütlichen Abende mit dem obligatorischen Glas Wein und der Schüssel Chips fallen weg, aber das merkt man erst nach einer Weile wirklich.

Also – alles ging seinen Gang, außer dass es auf einmal wirklich nur noch ein Thema gab: Sport.
Es dreht sich alles darum. Sport, Sport, Sport.  Essen, Essen, Essen.  Da stapelten sich die Tupperdosen in der Küche, wie sonst nicht.
Es wurde irgendwie mehr und mehr, ein schleichender Prozess.  Und er wurde gefühlt schlagartig schlanker.

All das war mir vorher bewusst gewesen.  Ich hatte mich darauf vorbereitet, dass es über kurz oder lang nur noch Sport geben würde – in der Küche und auch sonst im Leben.  Ich gehe abends generell lieber mit den Mädels aus zum Tanzen, also machte mir das anfänglich nicht viel.  Und so Dinge wie „ich mach dann den Haushalt komplett“ erschienen mir nur natürlich – wann sollte er denn noch die Wäsche aufhängen? *lach*

Aber was mir nicht bewusst war, war, wie viel es dann doch sein würde.
Auf einmal wurden die Trainingseinheiten länger, länger und noch länger. Dazu kamen Cardioeinheiten, Gespräche mit Mentor Olaf, so dass wir uns abends kaum mehr sahen, weil ich ins Bett musste, bevor er heim kam.

Je näher die angepeilten Wettkämpfe kamen, desto weniger war mit ihm los. Er war nie launisch oder aggressiv,  er war eigentlich immer nur kaputt. Zu kaputt für fast alles.
Das hängt natürlich mit dem immer niedrigeren Körperfettwert zusammen und mit der Diät (jetzt weiß ich, wie das ist), aber damals war es für mich schwierig es ganz zu verstehen. Wie konnte man zu kaputt zum lachen sein? 😉

 

 

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Und ich merkte noch mehr Dinge: Je weiter seine Diät voran schritt  desto weniger Lust hatte ich auf einmal auf mein eigenes Training.  Anstatt mit einzusteigen in die Diät oder mich mitziehen zu lassen von seinem Elan, hatte ich immer weniger Ambitionen überhaupt noch ins Studio zu gehen.  Dabei LIEBE ich diesen Sport.

Und ich fühlte mich auf einmal unwohl in meiner Haut.
Klar- die obligatorischen 5 kg können immer weg, aber wenn ihr einen Wettkampfathleten an Eurer Seite habt und der mehr und mehr an Form annimmt,  Euch diese auch bei jeder Gelegenheit stolz präsentiert – dann kann man sich nur dick fühlen.  Kein Spiegel wird in einer Diät ausgelassen.
Jetzt weiß ich ja, wie das ist, aber damals war das vor meinem Start und ich staunte nicht schlecht, wie mein Mann sich scheinbar plötzlich zum griechischen Gott „Narziss“ entwickelte.

Dazu kam das heimliche Essen.
Bitte glaubt nicht, dass ich freiwillig für seine Diät 5 Monate auf Chips oder Pizza verzichtet hätte. Kein Stück!  Nein – ich habe das „heimlich“ gegessen, will sagen: Kaum war er aus der Tür zum Sport habe ich die Chips aus dem Versteck geholt oder den Pizzadienst  angerufen – und bevor er heim kam, wurde alles vernichtet – inklusive Lüften.  Gesund war das sicher nicht, dieses krampfhafte Schnellessen. „Fast Food“ bekommt da eine ganz neue Bedeutung. 😉

Ein weiterer negativer Aspekt, der aber nur mir auffiel, war die Aufmerksamkeit anderer.
Im Studio (wenn ich denn dann mal mit war) wurde er  auf einmal begafft und auch betascht von völlig Fremden. Und die Frauen im Supermarkt oder selbst im Studio, das ging gar nicht, ich war rasend. *lach*  Je mehr das voranschritt, desto mehr entwickelte sich eine Eifersucht – eine Eifersucht auf seine Vorbereitung. Die Zeit, die sie bekam sollte mir  gehören.

Man lernt auch als Partner sehr viel über sich selber in dieser extremen Situation.
Was ist mir wichtig in einer Beziehung und was nicht so. Wieviel liegt mir wirklich an meinem Partner und daran, ihn beim „wachsen“ zu unterstützen, zu fördern, ihm zu helfen selbstgesteckte Ziele zu erreichen, ein Teil davon zu sein.

Natürlich gab es mehr als eine Moment, wo ich sauer, beleidigt, enttäuscht war, wo ich mir gewünscht hätte, dass er es sein lässt oder ich einen nicht-Sportler zum Freund hätte.
(….so Jahre nach der Wettkampfdiät denk ich mir beim Schreiben dieser Worte: Das geht gar nicht *lach*)

 

Aber natürlich hab ich mich zusammengerissen und ihn unterstützt so gut es ging.
Denn eins ist nie passiert – egal wie wenig Zeit er für mich damals vielleicht hatte: Er hat an mich gedacht.  Ich habe viele liebe SMS oder Zettel bekommen – und erfuhr auch von ihm, dass ihn ein schlechtes Gewissen plagte.
Wie gesagt: Jetzt, wo ich es selber von der anderen Seite gesehen hab, weiß ich, dass man das schlechte Gewissen hat, es aber nicht nötig ist.

 

Und egal wie nervig es zuletzt wurde – als er auf die Bühne ging ist mir das Herz in der Brust explodiert vor Stolz. MEIN Mann, da oben – das  war ein ganz toller Moment.  Auch davor, die Fahrt zu den Meisterschaften, das Backstage-sein, mit ihm gemeinsam die Momente vorher und danach erleben – das war ganz großes  Kino.

 

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Man schafft das nur als Team, wenn man eine Beziehung hat.  Wenn der andere nicht mitzieht, egal in welcher Form, dann zerbricht es daran.

 

Machen wir uns nichts vor: Dieser Sport ist verdammt egoistisch.
Als Athlet dreht sich alles um Dich, um Deinen Körper – nur um Äußerlichkeiten.  Alle sagen Dir, wie gut Du aussiehst – und daheim zickt Dich Dein Partner an, weil der Müll nicht rausgebracht wurde. Da kann man einen Höhenflug  bekommen – muss es aber nicht.

 

Bringt uns zu Part 2:
Ich kenne viele Beziehungen, die an Diäten kaputt gegangen sind.  Entweder, weil der Athlet zu egoistisch war oder weil der Partner nicht mit zog, sich quer stellte.

Ich habe schon Athleten erlebt, die dann abgebrochen haben – der „Liebe“ wegen, aber das hat hinterher nie gehalten. Denn wenn man das wirklich will,  dann wird man denjenigen früher oder später dafür hassen, dass er es einem genommen hat.
Es gibt zickige Athleten, welche mit Höhenflug, unsichere Athleten und aggressive.  All das KANN passieren, es muss aber nicht.

Ich persönlich glaube, dass in so einer Diät ebenso die Muskulatur wie auch der Charakter freigelegt wird.
Bist Du tief drin im Inneren ein Arsch, kannst du das auch in der Wettkampfdiät nicht mehr verbergen.
Es gibt Menschen, die auf Alkohol extrem aggressiv werden. Diese Tendenzen scheinen auch in einer Wettkampfdiät verstärkt zu werden.
Ich meine: Man hat nicht mal mehr die Energie auf Toilette zu gehen – wie dann noch sich verstellen?

 

Ich hoffe, der kleine Einblick hilft ein wenig. Wenn überhaupt möchte ich für Verständnis werben.  Die Jungs und Mädels an Eurer Seite lieben Euch dafür, dass ihr diesen „Zirkus“ gemeinsam mit ihnen durchsteht.  Sie sagen es vielleicht weniger oft in der Diät – aber sie meinen es.

Und deshalb sollte man als Partner zwar auch weiterhin Grenzen aufzeigen, wenn der andere sich wie ein Idiot benimmt,  aber nicht unbedingt zu hart urteilen – denn im Zweifel ist er oder sie nicht Herrscher der eigenen Sinne, so ganz ohne Kohlenhydrate.

 

Unterstützt Euren Partner bei diesem Traum, seid Teil davon – egal in welcher Form, ob ihr Diät mitmacht oder ihm/ihr einfach nur den Haushalt abnehmt. Ihr seid ein wichtiges Zahnrad in diesem Uhrwerk, das es braucht, um es auf die Bühne zu schaffen.

 

Ihr könnt und werdet an dieser gemeinsamen Erfahrung wachsen, sie schweißt Euch zusammen und mir hat mal jemand gesagt „Wer eine Vorbereitung zusammen durchsteht, segelt auch auf stürmischer See sicher“… wahre Worte.

 

 

Malen nach Zahlen…. (von Sabrina)

 

„Bevor man mit dem Malen beginnt, muss man Herz, Hand und Gedanken in der Pinselspitze haben.“ Chi Po Shi

  Wenn wir klein sind, wollen wir alles Mögliche werden. Ich erinnere mich an Berufswünsche wie „Meeresbiologin“, „Sängerin“, „Kfz-Mechanikerin“, „Dolmetscherin für Japanologie“, „Romanautorin“ – aber auch an Dinge, denen ich in meinem Leben näher gekommen bin als nur dem Wünschen: „Sportjournalismus“ und „Visagistin“. Wie viele Mädchen habe ich eine absolute Schwäche für Makeup und Haare. Ich habe schon früher Freundinnen Schminktips gegeben, dann mal einen Makeup-Kurs besucht und später angefangen, Aline und andere Starterinnen für Wettkämpfe oder Shootings zu stylen. Hier möchte ich Euch nun einen Mini-Blick hinter die Kulissen eines Wettkampfes gestatten, denn viele sehen nur das Endprodukt – ob auf der Bühne oder auf Bildern im Internet. Aber was da wirklich dahinter steckt, glitzernd und strahlend auf der Bühne zu stehen, das wissen nicht alle.   Also, der große Tag ist da. Was da vorher alles läuft, von wegen Ganzkörper-Rasieren (ihr glaubt gar nicht, wie viel  Haare/Flaum ihr überall am Körper habt bis ihr einmal seht, wie Farbe auf diesem Flaum aussieht *lach*) lasse ich jetzt mal aus. 😉
*EDIT 2017: Mittlerweile würde ich sagen, es reicht Beinen, Achseln und Bikinizone zu rasieren – oder zu waxen. 🙂
Farben wie TopTan verzeihen den Flaum und trocknen auch damit einfach weg.
Besser als sich ganze Fleischstücke aus dem Ellenbogen zu rasieren hahahhah

Gleiches gilt für Haare, möglicherweise Verlängerung oder Färben, Fingernägel, Fußnägel, Wachsen/Peeling – all das ist irgendwie selber erklärend – oder ein Fall für einen Extra-Blog.   Also: Üblicherweise fängt der Betreuer schon am Tag vorher an, Farbe aufzutragen. Das hängt natürlich auch vom Produkt ab. Und dann geht’s am Morgen ganz früh los. Es gibt eine Vorwahl und ein Finale, die Vorwahl startet meistens so gegen 10:00 Uhr, dann mit den Mädchen-Klassen: Bikini, Figur und Bodybuilding. Und damit man zeitgerecht hübscht auf der Bühne stehen kann heißt es: Früh aufstehen! Ich habe das schon in zwei Varianten gemacht: Vorher bei Aline in Kiel übernachtet, Meisterschaft war damals auch in Kiel, dadurch hatten wir einen entspannten Tag ohne viel Fahrerei (ähnlich einer Deutschen Meisterschaft, wo man ja schon tags zuvor im Hotel anreist und dort übernachtet, also alle „vor Ort“ sind). Aline hat bei Ihrer letzten DM-Teilnahme ein kleines Video gedreht, damit Ihr einen Eindruck bekommt.   https://www.facebook.com/video/embed?video_id=2223754565221   Genauso läuft es ab: Als Stylist/Betreuerin/Freundin steht man so gegen 5/6 Uhr auf und huscht schnell zur Freundin. Mit dabei ein Koffer voller Malsachen: Makeup, Lidschattenpalette, Pinsel, Glitzer, falsche Wimpern, Haarspray, Lockenwickler, Glätteisen – you name it. Auf der Bühne gilt „mehr ist mehr“ und deshalb lang ich persönlich gern mal tief in die Trickkiste.   So sieht das dann im Zimmer aus *lach*   IMG_6539   IMG_6538   Neben dem nochmaligen Farbauffrischen geht’s dann an den perfekten Look. Erst die Haare auf Wickler drehen, dann mit dem Makeup anfangen. Dabei darf man nicht vor starken Farben zurückschrecken.   Der Körper hat im Zweifel einen schönen Nutellabraun-Ton angenommen und da darf das Gesicht natürlich nicht mit dem normalen Tagesmakeup daher kommen. Nicht nur sieht es schrecklich aus, wenn man so einen weiß aufgeschraubten Kopf hat, sondern das Bühnenlicht schluckt auch gemein viel Farbe. Natürlich bieten einige Farbhersteller (z.B. JanTana) ein passendes Makeup zum Tanningprodukt an, welches ich selber getestet und für gut befunden hab. Es geht aber auch „einfacher“:   Manhatten Makeup im Farbton Bronze, darüber ein Bronzepuder und gut ist die Grundierung.   100_0807     Dazu kann ich nur raten, in eine günstige Lidschattenpalette (Ebay oder Amazon) zu investieren und dann ruhig zu kräftigen Farben zu greifen. Orientiert Euch an Euer Bikinifarbe oder wählt eine Kontrastfarbe – wichtig ist nur, dass Ihr Euch wohlfühlt. Dann noch ein paar falsche Wimpern, einen kräftigen Lippenstift (rot oder pink, alles geht) und ab geht die Post. Zum Schluss die Haare fertig. Ob nun lockig oder glatt, hochgesteckt oder offen, geflochten – testet aus, was Euch am besten gefällt. Ich persönlich bin großer Fan von offenen und lockigen Haaren – aber nach der Vorwahl bei der letzten DM waren meine Haare von der Farbe so strähnig, dass ich sie „notgedrungen“ halb hochgesteckt habe zum Finale – und die Frisur sah so viel besser aus als nur offen. 😉   33972_10150835086363583_1079172443_n     Dann noch Bikini anziehen, festkleben (ja, der wird festgeklebt, am Po!), wahlweise schon in die Schuhe schlüpfen oder in die Flipflops, etwas leichtes überwerfen und ab geht’s Richtung Aufwärmraum/Backstagebereich.   Das alles hört sich nach 5 Minuten an, in Wahrheit dauert es aber 1-2 Stunden und ist für mich – ambitionierte Laie meets Perfektionist – ein Hochleistungssport. 😉 Frühstück kann man meistens vergessen, Trinken hab ich mir auch abgewöhnt. *lach*   Backstage geht’s noch einmal weiter mit etwas Farbe auffrischen, Glanz auftragen, noch mal Makeup und Haare kontrollieren, Mut zusprechen und ab geht’s für die Mädels auf die Bühne.   Selbst wenn ihr nicht so eine durchgeknallte Freundin wie mich habt gibt es viele Möglichkeiten. Mittlerweile werden auf vielen Meisterschafte professionelle Stylings angeboten, die man im Vorwege buchen kann. Haare, Makeup und/oder Tanning – alles dabei. Sehr entspannte Lösung – kostet dafür ein paar Euro. Mich persönlich aber entspannt es immer sehr, wenn ich mich selber schminke. Das hat etwas meditatives für mich. Andere lieben es, wenn sie „betüddelt“ werden. Da muss jeder seinen Weg finden.   Hier das Mal-Ergebnis nach der Vorwahl:   Makeup3     Aline vor der Kieler Meisterschaft 2011:   Makeup2       Oder mein eigenes Makeup bei der letzten regionalen Meisterschaft:   Makeup1     Abschließend kann ich nur eine Freundin zitieren (weil ich diesen Spruch für mich selber auch entdeckt habe):   Wenn das Makeup nach „Fasching mit Olivia Jones“ oder „billiger Strassenhurenlook“ aussieht, ihr Euch so nie raustrauen würdet – dann ist es genau richtig. 😀