Mimizimus – oder: Du machst das für Dich! (von Sabrina)

 

Die Herbstsaison steht unmittelbar vor der Tür und wie jedes halbe Jahr ist es fast überall zu lesen, hört man es in fast jedem Gespräch im Studio oder mit Bekannten und Freunden via Instagram, Facebook und Co.

11940438_1456997304630480_342083772_n

 

Da mag die Entwicklung der sozialen Medien ein Fluch sein – oder ein Segen.

Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich in meiner ersten Wettkampfvorbereitung 2010 online irgendwo täglich was davon gelesen hätte… Gefühlt (nur so bauchmäßig) gab es damals Facebook und Instagram in dem Maße auch noch gar nicht – vielleicht war auch nur ich noch nicht so aktiv bei diesen Medien.
Logisch gab es schon die Internet-Foren und dort war ich überaus aktiv als Sternchen (2010 noch bei BBSzene, später dann bei Team Andro). Aber über meine Vorbereitung(en) habe ich dort nie geloggt. Wollte ich nicht. Das war mehr ein persönliches Ding.
Und NATÜRLICH habe auch ich mein Umfeld genervt, vielleicht nicht täglich oder minütlich, aber auch ich hatte meine „Mimimi“-Phasen, voller Zweifel und Ängste.
Nach den Jahren in der Szene, zuletzt „knietief“, bin ich mehr und mehr zu der Überzeugung gekommen, dass die größte Komponente für einen erfolgreichen Athleten nicht unbedingt die Genetik ist.

Nein, es ist seine mentale Stärke.

 

Das gilt für jede Diät, für jede Disziplin des Alltages. Mentale Stärke ist wichtig.
Dabei heißt mentale Stärke nicht, dass man jeden Tag nur 100% happy und gut drauf ist. Nein. Mentale Stärke heißt für mich, auch mit den weniger guten Tagen umgehen zu können. Diese werden häufig kommen.
Manchmal reicht ein komischer Blick von jemandem im Gym, oder dummer Regen oder einfach der falsche Fuß, mit dem man aus dem Bett kommt. Es GIBT einfach solche miesen Tage.
Wichtig ist, sich davon nicht überrollen zu lassen. Nicht hysterisch zu werden.
Und sich dann immer wieder ein paar Dinge klar zu machen:

Du machst das für Dich. Ganz allein und nur für DICH.

Das ist der einzige wahrhafte Grund, warum Du an einer Bodybuildingmeisterschaft teilnehmen solltest. Weil DU es willst. Weil es Dein Traum ist, Dein Feuer, Deine Leidenschaft.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es eben NICHT bei jedem so ist.
An Wettkämpfen, speziell in der Bikiniklasse, teilzunehmen ist sehr populär.
Nicht zuletzt, weil die Klasse den Einstieg erleichtern sollte, nein, das machen auch die sozialen Medien.

 

In meinen Augen gibt es aber auch „falsche Gründe“ um zu starten. (siehe hierzu meinen Blog: Du willst starten? )

 

z.B. um „Anerkennung“ auf Facebook oder Instagram zu bekommen.

(..wenn DAS der Grund ist, dann mach doch einfach so Diät – dafür musst Du Dich nicht in einen 5-Euro-Schein-großen Fummel quetschen und mit Bräunungscreme eingeölt auf die Bühne stellen in Stripper-Heels)

Oder weil (gefühlt) alle starten.

(…und wenn alle von der Brücke springen?….)

Oder weil Du den Look toll findest von den Teilnehmerinnen.

(…diesen Look wirst Du – wenn überhaupt! – nur für wenige Stunden haben. Dann doch lieber so gesund und gut essen und fit sein plus gut aussehen…dafür muss keiner starten)

Oder weil Dich im Studio wer angesprochen hat, dass Du ja Talent hättest. 

(…vielleicht guckst du erst mal, ob derjenige, der Dich angesprochen hat, Dir nicht nur seine „Cookie-cutter“-Diät verkaufen will und Dich mit 2 Stunden Cardio und null Muskeln auf die Bühne schickt für einen „Freundschaftspreis“. Informiere Dich ausführlich zum Thema, bevor Du über Wettkampf nachdenkst – dafür zählt für mich auch überhaupt mal live einen Wettkampf angeguckt zu haben!)

Oder weil Du einfach in Form kommen willst.

(…ich wiederhole mich: Dann mach doch einfach Diät! Es muss keine Wettkampfdiät sein um etwas in Form zu kommen!)

 

Glaubt mir, jeder hat seine Gründe. Aber Du solltest es WOLLEN. Wirklich wollen, mehr als alles andere.
Dann wird das Thema mentale Stärke oder „ich verhalte mich wochenlang wie eine Bitch weil ich bin ja auf Diät und darf das“ keins für Euch sein.
Glaubt mir: Familie und Freunde werden es Euch danken.

Schlechte Tage hin oder her, es gibt für alles eine Schmerzgrenze. Und wenn Dir in der Mitte der Diät alle Freunde die Freundschaft kündigen muss das nicht zwangsläufig daran liegen, dass sie einfach „kein Verständnis“ haben oder Dein neues Hobby nicht akzeptieren. Nein, es könnte auch daran liegen, dass Du Dich einfach völlig daneben benimmst und verlangst, dass alle damit leben. Hysterie ist nie gut.

 

damnit-katie-you-cant-blame-everything-on-your-period

 

 

Zurück zum Them:
Unser Leben ist eine lange Reise, voller Erfahrungen und Begegnungen.
Irgendwann, mit 80 Jahren, werden wir alle auf der Parkbank sitzen und wissen, was wirklich wichtig war in unserem Leben.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe den aktiven Sport hinter mir gelassen, bewerte das alles aber nicht nur negativ. Es war eine tolle Erfahrung.
Und doch steht auf meiner Liste mit den wirklich wichtigen Dingen in meinem Leben „Wettkampfbodybuilding“ nicht ganz oben.

Da stehen andere Dinge.
Familie und Partnerschaft, Freunde, Gesundheit, ein sicheres Dach über dem Kopf und Essen im Kühlschrank, einen Job zu haben, Zeit für die schönen Dinge im Leben zu haben – so etwas.
Darauf reduziert es sich für mich, wenn ich mal ganz in mich rein horche.

Das heißt trotzdem nicht, dass es nicht viele Tage geben wird, an denen wir uns wegen vermeintlich unwichtiger Dinge stressen werden, sei es wegen Übergewicht, Finanzen, Stress im Job oder eben die Wettkampfvorbereitung.
Es ist ein Wettkampf. Ja. Im Idealfall mit Dir selber. Es fühlt sich im Moment, in dem Du es tust, wie das Wichtigste der Welt an.
Aber vergiss darüber nicht die „wirklich“ wichtigen Dinge.

Diese Vorbereitung macht nichts mit Deinen Finanzen (seien wir mal ehrlich, selbst ein höchst seltenes Amateur-Sponsoring füllt nicht Dein Konto), es macht nichts mit Deiner Beziehung (außer Du verhältst Dich 6 Monate lang wie ein Arschloch). Und es ist auch nicht so, dass Deine Familie Dich nicht mehr liebt, wenn Du da nicht den 1. Platz machen wirst. Das ist Blödsinn. Sie werden Dich immer lieben.

Also anstatt Dich da wie auf dieser Drehscheibe auf dem Kinderspielplatz immer schneller und schneller zu drehen und völlig die Orientierung zu verlieren: RELAX.
Ich weiß, das ist schwer. Aber versucht es.
Relax and enjoy!
Das ist und bleibt mein Credo: Habt Spaß dabei!

 

12205097_1487014268295450_1412771673_n

 

Und wenn Du doch meinst, dass das ALLES ist, was zählt, dann läuft da irgendwas falsch.
Wenn Du meinst, dass die wenigen Minuten, die Du dort oben verbringst um von völlig fremden Menschen ein Urteil über Deine harte Arbeit und Hingabe zu bekommen, dann solltest Du das mal hinterfragen.
Niemand zwingt Dich, das zu tun. Es steht niemand mit der gezogenen Waffe hinter Dir, wenn Du Dich auf das Cardiogerät schwingst oder den Löffel mit Huhn in den Mund schiebst.
Noch einmal: Niemand zwingt Dich!
Wenn mir jemand erzählt „ich wünschte, ich könnte das alles aufgeben“, dann möchte ich denjenigen schütteln – KRÄFTIG schütteln.

Logo hat man nicht jede Sekunde Spaß, es gibt sogar wahnsinnig viele Momente, wo man sich fragt „warum tu ich mir das an?“ – aber wenn Du Dich ernsthaft quälst. Dann kann ich nur sagen: Hör auf! Dann lass es!

Dazu hab ich neulich ein ganz bewegendes Interview von Markus Rühl (Reihe VegasReport2015) gesehen, der da erzählte, das er in seiner letzten Vorbereitung irgendwann morgens auf dem Rad saß und strampelte und dann einfach aufgehört hat, weil er sich dachte: „Ey, wozu das Ganze? Wozu?“ (Min 8:12)
Wahnsinns Emotionen, die er da mit uns teilte. Das so selber zu reflektieren, das kommt vielleicht auch erst mit dem Alter.

Aber hey, das ist doch mein HOBBY – in meiner Freizeit will ich machen, was mir Spaß macht. Zumindest die meiste Zeit Freude bereitet!

Du machst das für Dich, nur für Dich.
Und erst nach all den Jahren habe ich verstanden, was damals die Leute zu mir sagten: Der Weg ist das Ziel.
Glaubt mir. Ihr wachst jeden Tag in so einer Vorbereitung und ich möchte die Zeit nicht missen. Man muss es sich nur vor Augen halten.

Was Du mit Deinem Leben anstellst, daran sollten sich die Leute erinnern. Daran werden sie sich erinnern.
Denn wenn dieser Wettkampf vorbei und das Klatschen verhallt ist, was bleibt dann über?
Was bleibt übrig, wenn Du den Glitzerfummel ausgezogen und in der Schublade verstaut hast?

Nimm die Erfahrungen mit, sauge die kostbaren Momente auf, selbst die „Mimimi“-Tage.
Sie zeigen Dir, wer Du wirklich bist.
So eine Diät ist wie eine Zwiebel zu schälen, Schicht für Schicht legt sie Dein wahres ICH frei.

Lass nicht zu, dass deine Zweifel gewinnen, oder deine negativen Emotionen.
Lass es in der Diät nicht zu und auch sonst nicht im Leben.
Kopf hoch, Krönchen richten und weitermachen.
Wer auch immer diese Herausforderung durchsteht kann sich sicher sein, dass er tough ist und mental stark.
Hör auf Deinen Bauch und „hab Spaß!“

 

Eure Nixe Sabrina

animaatjes-sterren-42192

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.