Der hohe Anspruch – oder: wie schwer es ist, nicht abzuschweifen bei diesem Thema (von Sabrina)

 

cat_sees_lion_in_mirror

 

Die Herbstsaison hat für einige schon begonnen, für andere, speziell für uns Nordlichter, sind es nur noch wenige Wochen bis zum ersten Wettkampf.

Und ich bemerke bei Facebook und in meinem Umfeld eine zunehmende „Hysterie“.
Die Mädels haben regelrecht Angst vor Tag X, haben immer größere Probleme mit dem Druck, die Laune wechselt gefühlt sekündlich zwischen Himmelhoch-jauchzend und zu-Tode-betrübt.

Diejenige von Euch, die schon einen oder mehrere Starts hinter sich haben, sagen jetzt vielleicht „Normal“, aber ich bilde mir doch ein, dass es zunimmt von der Intensität.  Woher aber kommt das?

 

Wenn ich mich zurückerinnere, an meine erste Saison, bzw. die Zeit unmittelbar davor und die Entscheidung zu Starten, wie war das so?
Jahrelang kannte ich keine Starterin persönlich, außer einigen Bodybuilderinnen und das war nicht meine Klasse.

 

Dann lernte ich Corinna Detlef kennen und stellte fest: Die sieht ganz normal aus.  Damit und mit zahlreichen Gesprächen mit ihr wuchs dann der Glaube in mir: „Wenn sie es geschafft hat, kann ich es auch schaffen“.

29769_390627813582_4801133_n

 

Und das habe ich ja dann auch.  Aber woran orientiert man sich, wenn man keine Figur-Athletinnen im Studio hat?  Facebook und auch Instagram war damals noch nicht so angesagt.

Also habe ich die Online-Portale und Zeitschriften gewälzt, mir Bilder von der Deutschen Meisterschaft angeguckt und so mein Ziel definiert.

Zur Motivation habe ich im Internet gesurft und mir auch mal Fotos von Profis angesehen, aber das sind ja Profis.  Und NATÜRLICH hatte auch ich meine Zweifel, hatte Ängste, konnte mich nur noch auf das Negative fokussieren  (fast – meinen Bauch fand ich die ganze Zeit bombe, vorher hatte ich noch nie ein Sixpack in meinem Leben *lach*).

Handyfoto auf der Toilette in der Firma – noch Fragen? hahahah

67579_442602603582_1824238_n

 

Aber ich hatte einen ruhigen und geduldigen Partner und Mit-Coach an meiner Seite, der mir geholfen hat, die meiste Zeit relaxt zu bleiben.

Logo habe auch ich Stimmungsschwankungen gehabt, im Training mehr als einmal geheult, das Cardio verteufelt und alle angemotzt, die mir sagten, ich sähe krankhaft dünn aus… aber ich habe weitergemacht, das Ziel immer vor Augen.

Und ich habe es auch niemanden erzählt oder Formbilder verschickt, weil ich es gar nicht wollte. Nur für den Fall, dass ich es nicht schaffe.
Leider hat mir dann eine Erkrankung in der letzten Woche vor meinem ersten Wettkampf noch mal fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass ich nur mit Schmerzen und 3 kg leichter als vorher auf der Bühne stand, aber ich habe es durchgezogen.
Dickkopf sei Dank.

 

Fast Forward, 2014.

Ich lese von Mädchen, die nicht auf die Bühne gehen, weil sie dem Druck nicht standhalten. Dem selbst erzeugten, durch Facebook oder Instagram – was sollen die 1.000 Follower sonst denken.
Und immer wieder frage ich mich: Wozu eine „LIKE“-Seite noch vor dem allerersten Start?

„Future to be Bikini (schreibt man mit K!!) IFBB Athlet“ blabla

 

Die Kampfrichter, die ich kenne, sind nicht bei Facebook. Und die interessiert es auch nicht, ob man 500 oder 5.000 Likes oder 324 Popo-Selfies hochgeladen hat.
WAS interessiert ist die Form an Tag X auf der Bühne!

Aber wir sind ja Menschen und wir vergleichen uns nun mal gerne.  Mein Auto, mein Haus, meine Jacht – mein Gluteus.

 

Man kann sich über Strategien streiten – ich persönlich fand es viel spannender auch beim 2. Start nichts zu erzählen und dann einfach BÄHM auf dem Wettkampf aufzutauchen und gut auszusehen.

Aber viele Newcomerinnen meinen, dass das alles wichtig ist.  Die Seite, die Likes, die Fans, die jedes Bild mit „wow“ kommentieren (oder mit einem eindeutig sexuelleren Kommentar), das ganze Trarar.

 

Und natürlich gibt es auch für dieses Phänomen schon einen Fachausdruck:

Attention Whore (Aufmerksamkeitshure)

Jemand, der zwanghaft im Mittelpunkt stehen muss und dabei auch zu „umstrittenen“ Mitteln greift.

 

Nun kann man sich darüber streiten. Warum dieser ganze Hype und wie kommt jemand dazu, einen eigenen YouTube-Channel zu machen wenn er noch nie gestartet oder nicht als Hauptberuf Trainer/Fitness-Model etc. ist?

Aber man muss es auch so sehen: Durch all diese Faktoren – Facebook, Instegram, YouTube etc. – ist es so unendlich viel einfacher geworden an Infos und auch an Fotos heranzukommen.
Gleichzeitig gibt es auch eine Schattenseite: Die InformationsFLUT.
Man weiß gar nicht mehr, was gut ist und was nicht, ob man wirklich alle 25 „besten Po-Übungen“, die man sich zusammen gesucht hat, in einem Workout machen soll oder doch lieber auf 3 Tage aufteilen.

Man steht wie im tiefsten Wald und sieht keinen einzigen Baum mehr – weil diese zu dicht nebeneinander stehen.

 

Versuchen wir zurückzukehren zum Kernpunkt: Der hohe Anspruch.

Gerade für den ersten Start gilt: ALLE haben mal irgendwo angefangen, meistens klein.
Die Wenigsten werden gleich deutsche Meisterin im ersten Anlauf!

Ramona Valeria Alb ist ein gutes Beispiel, weil sie für viele von Euch ein großes Vorbild ist. Deutsche Meisterin wurde sie erst im Jahre 2012, nach einigen Anläufen – aber auch sie hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.

 

Hier mal einige Bilder von Profis, die diese teilweise selber veröffentlicht haben:

nicole-wilkins-before-and-after BlXBvp6CcAAIU5W 1972359bb90eb91a8f82ead36b526c62 7b7a8e18bccdf6e3a8ee8c3c2ea34bf3

 

Aber natürlich neigen gerade Frauen zum Perfektionismus und lassen nichts anderes zu als gleich im ersten Anlauf alles PERFEKT zu machen. Bikini, Heels, Makeup, alles.
Und bei vielen habe ich das Gefühl, sie verlieren sich zu sehr in Details, die gar nicht so wichtig sind.
Denn es geht hier ja immer noch darum, das Ergebnis des SPORTS und der DIÄT zu präsentieren.
Also Zeit abzwacken von Facebook und dem Aufenthalt im Studio lieber etwas verlängern.
Auch wenn gefühlt alle 24 Std. online sind, macht mal das Handy aus.
Sich mit anderen Starterinnen auszutauschen kann auch mal helfen, weil diese einen wirklich verstehen – aber es kann auch gegenseitig runterziehen, wenn man sich von der Hysterie anstecken lässt.
Hört auf, Euch ständig Bilder von vermeintlichen Konkurrentinnen anzusehen und dann Eure Makel im Spiegel zu betrachten.
Schon gar nicht, wenn es sich dabei um Bühnenfotos handelt – diese Form habt ihr im Alltag nicht! Aber die hat auch die andere Athletin nicht im Alltag sondern nur auf der Bühnen, deshalb betreiben wir ja den ganzen Aufwand. Wenn jeder einfach so so aussehen könnte… wäre das ja ziemlich komisch. 😉
Hört auf, Euch selber zu geißeln, weil ihr nicht nach wenigen Monaten Training den identisch perfekt runden Po von Amanda Latona habt (die übrigens mein Baujahr, also auch 35, ist!). Das alles dauert seine Zeit.

 

Dieser Druck, den wir uns da selber machen, immer und alles perfekt zu machen, der kann uns am Ende verrückt machen.
Wir sind nur Menschen!

Keiner ist perfekt – egal wie viele Bilder auf Instegram das belegen.
Alle haben Makel, die wir nur nicht sehen können auf den gephotoshopten Bildern.

Auch Nicole Wilkens oder Ashley Kaltwasser haben Tage, an denen sie sich scheisse, dünn, dick fühlen.

Wichtig ist, den Kopf zu heben, das Krönchen zu richten und weiterzumachen.

Dieser Sport ist ein riesiger MINDFUCK und viele unterschätzen diesen mentalen Aspekt.
Mache es Dir einfach bewusst, dass all das nicht nur bei Dir passiert – ALLEN geht es so.
Aber es liegt an Dir, wie sehr Du Dich anstecken lässt, ob Du auf der Welle der Hysterie mit-surfst oder sie vorüberziehen siehst und ihr nachwinkst.

 

Leider weiß ich keinen Zauberspruch und auch keinen Zaubertrunk, der es Euch einfacher macht. Aber ich kann nur immer raten: Versucht ruhig zu bleiben.

Ihr seid IHR.
Ich könnt nur die beste Version von Euch selber auf die Bühne bringen.
Urteilen tun andere – aber wenn ihr da rausgeht und wisst, dass ihr für Euch alles getan habt, 100% gegeben habt, dann seid nur eins:

STOLZ!

1901284_773947735992912_4603637566362554790_n

 

…und denkt immer daran: Habt Spaß!!!

 

Eure Nixe Sabrina

animaatjes-sterren-42192

Dieser Beitrag wurde unter Sabrina veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.