Ein Appell gegen das sich „wertlos fühlen“ (von Sabrina)

Shine bright like a diamond 6

 

Im Laufe unseres Lebens lernen wir eine ganze Menge. Von anderen Menschen, oder von uns selber, durch Abgucken, Ausprobieren und nicht aufgeben.

Laufen z.B., Fahrradfahren, einigermaßen vernünftig mit Messer und Gabel essen (und dann doch lieber den Löffel nehmen).

Irgendwann, mit Mitte 30, hat man dann schon einiges im Rucksack, an Erfahrungen, an Werten, an Altlasten. In einigen Augenblicken mögen wir uns furchtbar alt fühlen (z.B. wenn man das erste Mal Knieschmerzen bekommt beim Beintraining), in anderen sehr jung (wenn einen die Facebook-Sucht packt oder man das neue PC-Spiel nicht ausschalten kann).

Irgendwo, zwischen all diesem Gerümpel da in unserem Rucksack, der sich Leben nennt, finden sich immer auch kleine, miese Dinge. Das sind häufig die Dinge, die wir nach ganz unten gepackt haben, die wir „vergraben“ haben. Weil wir sie nicht sehen wollen, am Liebesten vergessen würden, sie verdrängen. Da sind dann Sätze dabei wie „Wenn Du dies oder das tust, hat Mama Dich nicht mehr lieb“, „Jetzt lassen sich Mama und Papa scheiden, weil Du so unartig warst“ oder auch Empfindungen, geknüpft an bestimmte Songs/Düfte/Momente. Trennungen können dabei sein, oder unerwiderte Liebe aus der Schulzeit. Dumme Sprüche im Zusammenhang mit Liebe „Wenn Du 5 kg weniger wiegen würdest, dann würde ich Dich gut finden“ sagte mal jemand zu mir in der 7. oder 8. Klasse.

All diese Sätze, Aussagen, Gefühle liegen wie Steine, schwer, in unserem Rucksack und ziehen uns in Momenten runter, in denen wir nicht aufrecht stehen können, in denen es uns eh schon schlecht geht.

Wir alle drücken uns gerne davor, die Büchse der Pandora zu öffnen, uns mit diesen Altlasten zu beschäftigen. Aber glaubt mir: Irgendwann habt ihr die Steine satt. Denn es werden nicht weniger im Laufe des Lebens.

 

In meinem Rucksack gibt es einige, die ich schon so oft in der Hand hatte, dass sie glänzen, wie poliert. Ich hatte sie nicht etwa in der Hand, um sie aus dem Rucksack zu nehmen. Nein. Ich habe sie gefühlt, quasi liebkost, die Aussagen derart verinnerlicht, dass sie ganz tief verankert sind im Rucksack, dass ich sie da wie mit einem Band an den Boden gebunden habe. Diese Steine, an die wir uns derart gebunden fühlen, sind ganz schwer loszuwerden.

Und manches Mal habe ich auch das Gefühl, dass einige Menschen gerne „leiden“. Dass sie sich gerne für was auch immer „bestrafen“, indem sie sich bewusst Leid zufügen. Ganz wie die Mönche, die sich mit Peitschenhieben selber geißeln. Das kann man auf verschiedene Art und Weise tun, aber die einfachste… und möglicherweise effektivste Art ist: Stalken bei Facebook.

 

Natürlich basiert der Erfolg von Facebook in meinen Augen sowieso auf unser aller Voyeurismus. Aber das Stalken von Ex-Partnern oder verschmähte Lieben treibt es noch einmal auf die Spitze. Wenn man den Ex fröhlich beim Feiern mit neuem Mädel am Arm sieht, das tut schon weh. Und das weiß man auch vorher, dass es weh tun wird. Man guckt trotzdem.

Aber warum? Warum haben wir das Gefühl, leiden zu müssen?

Als Kind war ja jeder mal unartig, aber sind wir es immer noch? In dem Sinne, dass wir dafür „bestraft“ werden müssen? Wer entscheidet hierüber? Schon klar… notfalls kann man eben Mutti anrufen und fragen, ob sie einem noch mal Hausarrest geben möchte. Aber mal im Ernst: Wie kommt ein erwachsener Mensch zu dem Gefühl, nicht liebenswert zu sein? Nicht „glücklich sein zu dürfen“? Das ist doch absurd.

Oder nicht?

Wenn ich mir im örtlichen Buchhandel mal die Regele angucke finde ich unzählige Ratgeber zum Thema „Glück“, im Beruf, im Alltag, in der Partnerschaft, mit sich selber.

Wir alle wollen doch eins: Glücklich sein. Auch wenn das vielleicht jeder für sich selber anders definiert. Für den einen ist es das größte Glück jedes Wochenende zum Angeln fahren zu können. Für den anderen bedeutet es im eigenen Garten zu sitzen oder da im Beet zu buddeln. Für die Vielzahl der Leute bedeutet es: Zu tun, was man wirklich möchte.

…immer vorausgesetzt man weiß, was man will. 😉

 

Wie also kommt man dazu sich für „nicht würdig,  geliebt zu werden“ zu halten, oder sollte ich direkt schreiben „Frau“, denn das ist ein Phänomen, was ich überwiegend bei Frauen beobachte. Ist es alles Erziehungssache? Ging es schon unseren Müttern so? Konnten sie uns deshalb auch nichts anderes vermitteln? Und um nicht alle Schuld auf die Eltern abzuwälzen (auch wenn‘s bequem wäre): Warum haben wir es bisher als Erwachsene nicht geschafft, dieses Trauma/Thema zu bewältigen?

Wir sind tolle Freundinnen, Partnerinnen, Mütter. Wir geben alle, wie eine Löwin. Liebe, Herzblut, Kraft und Energie, ganz viel positive Worte für den Liebeskummer der Freundin. Aber an uns selber denken wir dabei nie.

Ich schrieb es schon einmal: Der innere Kritiker ist stets zur Stelle – aber ein Lob haben wir so selten für uns übrig. Ebenso wenig wie positive Gefühle.

Gelernt habe ich das ehrlich gesagt auch nie. Das muss ich mir immer noch (aktiv) selber bei bringen. Ich bin da noch lange nicht am Ziel.

Aber jetzt mal weiter philosophiert: Wenn wir uns selber für „wertlos“ halten… wie können uns dann andere schätzen? Können sich all die Freundinnen, Partner, Bekannte, Kollegen irren?

Und übertragen auf den Wettkampfsport: Wenn wir permanent an uns zweifeln – wie kann man dann auf der Bühne überzeugen?

Ich habe mal im Spaß vor Jahren zu einem Bekannten gesagt, der gerne „irgendsann mal“ starten wollte, trainiert hat wie ein Bär, auch ein echter Ochse war, sich aber nie traute, den Studiobesitzer mal drauf gucken zu lassen: „Du kannst nicht im Kaputzenpulli auf die Bühne gehen“. TRUE! Selbst Kai Greene, der ja quasi im Hoodie schläft, zieht ihn auf der Bühne aus. 😉

 

Und auf der Bühne geht es mehr als alles andere um die Präsentation, das Selbstbewusstsein. Ihr müsst an Euch glauben. Nicht jeden Schritt, den ihr in der Vorbereitung tut. Es gibt gute und weniger gute Tage. Aber in der Summe müsst ihr positiv sein, denken und Vertrauen haben.

Ihr müsst Euch erlauben Erfolg zu haben, erlauben glücklich zu sein. Ihr habt es Euch verdient! Ihr seid es wert! Glaubt an Euch, lernt es, jeden Tag. Habt Vertrauen in Eure Fähigkeiten, denn ihr könnt so viel erreichen, schaffen, kleine Wunder vollbringen. Fühlt den Glitzer in Euch… lasst das Funkeln durch die alten Schichten aus „wertlos“ und „nicht liebenswert“ durchbrechen… ganz wie Rihanna singt „shine bright like a diamond!“

 

…und dann, bei der Gelegenheit, lasst auch den Rucksack hinter der Bühne, das könnte dämlich aussehen. 😉

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