Inside „Coach Nixes Head“ 1a – Alltag, irgendwann vor dem Wettkampf – (von Sabrina)

 Es ist 5:00 Uhr, meine Wecker geht. Eigentlich wollte ich heute früh zum Training, aber ich bin zu zappelig.   Nicht mehr lange bis Tag X für meine Athletinnen, die Qualifikationswettkämpfe stehen an. Ausrechnet dieses Jahr müssen meine Mädels beide am gleichen Tag an verschiedenen Orten auf der Bühne stehen. Waaaah. Was macht man da nur als Coach? Zerreißen kann man sich ja nicht, auch wenn man es gerne täte. Ich habe mir tagelang den Kopf drüber zerbrochen, mit beiden Mädels gesprochen und mich entschieden, mit der Newcomerin Linda zu fahren. Aber Leslie lasse ich nicht alleine, ich habe die Hilfe einer sehr lieben Freundin organisiert, die zufällig vor Ort Backstage ist. Damit ist mir dann ein Felsbrocken vom Herzen gerollt. Danke noch einmal an Franzi Cetin für die Weltklassebetreuung vor Ort!   Also – an Sport ist nicht zu denken.   Direkt, noch vor der Dusche, schalte ich das Handy an, checke Whatsapp, ob sich eins der Mädels gemeldet hat. Bingo – morgendliches Feedback Nummer 1 ist. Schnell überflogen und dann unter die Dusche, während es im Kopf noch rattert. Auf dem Weg ins Büro das 2. morgendliche Feedback von Leslie. Puh. Bei ihr läuft es leider nicht so ideal und mein Kopf schiebt mir verschiedene Lösungen vor.   Jörni sagte mal zu mir, dass ich manchmal wie ein Mann denke: Ich suche immer sofort nach Lösungen, wenn es ein Problem gibt.   Das wird mir in meinem Leben als Coach mehr als deutlich bewusst. Gut, dass das Coaching nur Hobby von mir ist. Und noch besser, dass ich mir mal geschworen habe, nie mehr als 2 Mädels parallel zu betreuen. Alles andere wäre bei meinem eigenen Anspruch an mich selbstmörderisch.   Ich bin im Büro und muss umschalten auf Hauptjob, auch wenn es mir schwer fällt. Das Handy liegt griffbereit neben mir unterm Schreibtisch. Viel zu oft guck ich da drauf und prüfe, ob es News gibt. Tatsächlich kreisen die Gedanken auch weiterhin um mein „Problemkind“. Es ist nicht mehr lange bis zum Tag X.   Schwups ist es Mittagszeit und ich merke mit Magenknurren, dass ich heute noch gar nichts gegessen habe. Kopf voll bedeutet Magen leer oder wie? *lach* Der Appetit auf Huhn ist mir schon lange vergangen, also gibt es eine Portion Sushi (vermeintlich gesunde Alternative zu Pizza). Noch während ich zum Sushiladen laufe schweifen die Gedanken ab: Was mache ich nun mit dem Bikini von Linda? Da fehlen zwei Strassschnallen, die uns dank Lieferschwierigkeiten nicht mehr rechtzeitig erreichen werden vorm Wettkampf. An den vergangenen 2 Abenden habe ich in stundenlanger Handarbeit ihren Bikini von „normal“ auf Strass-Biest gepimpt, unzählige Swarovskisteine draufgeklebt… puh, ich brauch dringend einen Plan B! Ah, da ist ein Laden von Bijou Brigitte, da könnte ich mal wegen des Bikinis gucken, vielleicht habe ich eine Inspiration. Gesagt, getan, rein da – ooooh, soviel Strass!!! Und aaaah – zwei passende Armbänder aus Strass, die könnte man ja vielleicht…. Ich kaufe sie für den ultimativen Test am Abend. Wieder zurück im Büro sehne ich den Feierabend herbei um mich hinzusetzen für die Pläne, ich will doch noch mal gucken, was man optimieren kann.   Linda meldet sich: Alles schick, außer dass sie Hunger hat. Das ist ja normal. Ich habe irgendwann mal zu ihr gesagt: „Wenn der Freund Hunger kommt, dann sag ihm freundlich „Hallo“ und nimm ihn an die Hand, denn er wird Dich eine lange Zeit hin begleiten“. Ganz ohne Hunger geht so eine Diät nicht, wir bringen den Körper an seine Grenzen.   Auch, wenn ich es als Coach versuche, solange es geht, hinauszuzögern. Das ist aber bei jedem anders. Je nachdem, wann eine Athletin zu mir kommt, wie viel Zeit wir zusammen haben für die Diät, wie sie vorher gegessen hat (hört endlich auf Euch 0-Carbs zu ernähren!! *lach*), wie die Ausgangslage ist.   Ich schweife ab – wie so oft in den letzten Wochen. Je näher der Wettkampf rückt, desto wirrer werde ich – gefühlt. In Wahrheit kocht nur mein Blut. Mein HERZBlut für die Sache, für das Coaching, für die Mädels, MEINE Mädels. Die Verantwortung und mit ihr der Druck wächst. Wenn man über den Plänen sitzt dann muss man vieles bedenken. Wenn man anfängt, die Nahrungsmengen zu reduzieren (was irgendwann sein muss um die Form stetig zu verbessern), dann tut es einem fast körperlich weh, die Gesichter zu sehen die dann sagen „Keine Mandeln mehr zum Abendbrot? Das war immer mein Tageshighlight“ – seufz! Man wägt also gut ab, ob es sinnig ist, der Athletin das Tageshighlight zu rauben um dadurch xy Kalorien zu sparen. Manchmal geht es aber nicht anders. Es kommt auch auf die Athletin an.   Die nächste Whatsapp blinkt auf meinem Handy und ich muss grinsen, ein lustiges Video von Leslie. Man kommt sich in so einer Vorbereitung als Coach und Athlet sehr nah. Man wächst zusammen als Team und nicht selten entstehen daraus Freundschaften. Auf jeden Fall lernt man sich sehr gut kennen. Man KANN sich in einer Diät nicht mehr verstellen, wenn der Körperfettwert runter geht. Das heißt dann „Hosen runter“ – körperlich wie auch mental. Es ist sehr interessant, ich lerne viel dabei über Menschen im Allgemeinen – aber es ist auch eine große Verantwortung. Jede Athletin ist anders. Die eine braucht Zuspruch, Lob, Motivation – die andere einen Tritt in den Po. Als Coach musst Du das, möglichst bald, herausfinden und entsprechend agieren.   Für mich ist das ein wichtiger Aspekt, die mentale Entwicklung der Mädels ebenso zu berücksichtigen und zu fördern wie die körperliche. Training ist dagegen easy. Als Frau ist man es gewohnt, immer lieb und „artig“ zu sein. Immer nett, sich zuerst um die anderen kümmern, immer das machen was der anderen (häufig: der Partner) will. Wenn dann so eine Diät daher kommt, dann ist das das mit Abstand Egoistischste, was die meisten Mädchen bis dato in ihrem Leben gemacht haben. Es geht nur um sie, 24/7. Essen, Training, Schlafen – alles dreht sich nur um ihr eigenes Ziel. Das ist für alle eine neue Welt, eine ganz starke Herausforderung. Man lernt, dass nichts passiert, wenn man mal „Nein“ sagt. Man lernt, dass man trotzdem weiterhin geliebt wird, auch wenn man nur an sich denkt (phasenweise). Das alles ist der Idealfall. Denn so eine Vorbereitung beeinflusst bezüglich der mentalen Komponente gegebenenfalls auch stark die vorhandene Partnerschaft. Nicht selten habe ich gehört „Du hast Dich in der Diät so verändert, so kenne ich Dich gar nicht“. Nicht immer reagiert das Gegenüber dann so positiv.   Ein schlauer Mann sagte mal zu mir: „Wenn Deine Partnerschaft eine Vorbereitung unbeschadet übersteht, dann kannst Du Deinen Partner direkt heiraten. Härter wird’s nicht.“ Ich glaube, da ist viel dran. Natürlich hängt es auch von einem selber ab, inwieweit man sich gehen lässt. Auch hierzu habe ich schon einen Blog geschrieben: Link   Wie gehe ich nun mit diesem Thema als Coach um? Natürlich lernt man in so einer Vorbereitung nicht nur die Athletin sehr gut kennen sondern erfährt auch viel über die Beziehung zum Partner, zu den Eltern, zu Freunden und Firmengeschichten. All diese Themen spielen eine Rolle in der Vorbereitung. Dein Umfeld macht Dich entweder stark oder schwach. Dies gilt zumindest für die Newcomerinnen – denn erfahrene Hasen haben sich meistens schon damit arrangiert. Mir ist es wichtig, die Athletin auf Spur zu halten. Sie soll wachsen. Ja. Das finde ich gut. „Nein“ sagen zu lernen finde ich sogar sehr gut. Merke ich aber, dass sie sich zur Zicke entwickelt und der Partner alles abbekommt, dann nehme ich sanften Einfluss und versuche sie darauf aufmerksam zu machen, ihr dabei zu helfen festzustellen, dass es am Ende nur eins gibt: Sich zusammenreißen. Denn SIE will es ja, das Starten. Also: Shut up and squat… oder so. 😉   …sagte ich schon, dass ich immer noch im Büro sitze? Nichts wie aus mit der Kiste und ab heim. Ich will mich noch mal an die Pläne machen. Schnell noch ein Brötchen gegriffen beim Bäcker und dann ab in den Bus, via Handy vorm Training den Mädels ein neues Motivationsbild rüberschieben. Daheim weiß ich schon, was ich an den Plänen ändern möchte. …und dabei überkommen mich Zweifel: Ist das alles gut so? Ist es vor allem RICHTIG für die Athletin? Verlange ich zu viel von ihr? Wird es sie so kurz vorm Ziel „brechen“? Wie kann ich ihr helfen, das jetzt noch durchzuziehen? Waaaah – mein Kopf dreht sich. Ich schicke die Pläne raus und versuche mein Karussell anzuhalten. Ich tue alles nach besten Wissen und Gewissen. Ich möchte, dass die Mädels gut werden.   Also setze ich mich an den Bikini und schneide die Strassarmbänder auseinander und nähe sie an das Oberteil an – sehr geil. Erleichtert kann ich einen Punkt auf meiner schier unendlichen Liste abhaken.   Morgen stehen die Formchecks an. Also Notizbuch, Maßband und Fotoapparat einpacken. Check. Dazu noch schnell ein paar Stichpunkte aufschreiben – Farbe, Makeup, Haare, Bikini bite, ist das alles geklärt? Sind noch Fragen offen? Müssen wir morgen klären… Morgen ist ja auch noch ein Tag.   …..Teil 2 folgt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.